Eine Frage der Kraft? Auf eine solche Erklärung mochte Bo Svensson sich nicht einlassen. „Ich würde nicht von Müdigkeit sprechen“, sagte der Trainer des FSV Mainz 05 nach der 2:3 (1:0)-Niederlage beim 1.FC Köln.

Schuld daran, nach dem zweiten auch das dritte Spiel der englischen Auswärtswoche verloren zu haben, sei vielmehr die abermalige Standardschwäche, ganz eklatant zu beobachten beim ersten Gegentor nach einer Ecke von Mark Uth.

„Wir sind nicht körperlich genug“, kommentierte Svensson das verlorene Kopfballduell von Stefan Bell gegen Anthony Modeste. „Und wir verlieren den Gegner am zweiten Pfosten aus den Augen“ – in Dominik Kohrs Rücken schlich sich Ellyes Skhiri weg und köpfte die Kugel ins Netz.

Burkardt bringt Mainz in Führung

Bis dahin hatte es keinerlei Anzeichen dafür gegeben, dass die Auswärtsmisere der 05er einen neuen Tiefpunkt erreichen könnte. Anders als am vorangegangenen Sonntag beim 1:1 in Gladbach, wo sie erst zur zweiten Halbzeit in die Gänge gekommen waren, und einem ähnlich späten Einstieg ins Spiel beim 1:2 in Augsburg, zeigten sie diesmal von Beginn an die eingeforderte Bereitschaft. Mehr noch: Sie kontrollierten die Partie nicht nur und ließen kaum Kölner Strafraumszenen zu, sondern gingen bereits nach einer knappen Viertelstunde durch Jonathan Burkardt in Führung.

Ein bisschen Glück war dabei, weil Luca Kilian, der von Mainz nach Köln ausgeliehene Innenverteidiger, den Ball abfälschte. Von den Kräfteverhältnissen her aber ging dieses schnörkellos über vier Stationen herausgespielte 1:0 völlig in Ordnung. Als Karim Onisiwo in der 55. Minute nach einem Flügellauf brachial das 2:0 aus spitzem Winkel erzielte, schien das so etwas wie die Vorentscheidung zu sein. Was sollte bei diesem Spielstand noch passieren, wenn die drittbeste Hintermannschaft der Liga einer Offensive gegenübersteht, die an diesem Tag noch nicht viel zu bieten hatte?

„Kann nicht sein, dass wir das Spiel verlieren“

Es passierte folgendes: FC-Trainer Steffen Baumgart reagierte mit einem Dreifachwechsel, brachte Selih Özcan, Dejan Ljubicic und Tim Lemperle. Zusammen mit dem Anschlusstreffer zwei Minuten später markierte dies den Wendepunkt. „Bis zur 60. Minute war es ein sehr gutes Auswärtsspiel, und der Gegner war eigentlich platt“, sagte 05-Sportdirektor Martin Schmidt. „Aber wir waren uns zu sicher.“ Mittelfeldspieler Anton Stach räumte ein, in ein paar Situationen hätten er und seine Kollegen „vielleicht einen Schritt weniger gemacht. Und die Kölner hatten dann ihre Fans im Rücken“. Nichtsdestotrotz hielt der sichtliche geknickte Mittelfeldspieler fest: „Wenn wir auswärts mit 2:0 führen, kann es nicht sein, dass wir das Spiel verlieren.“

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link