Das letzte Spiel in dieser Europa-League-Saison wird noch lange das erste sein, an das sich viele beim FC Barcelona erinnern. Dass der große Klub aus Katalonien im zweitklassigen Wettbewerb mitmacht, ist sowieso schon außergewöhnlich. Dass er im Viertelfinale an Eintracht Frankfurt scheitert, ist noch bemerkenswerter. Und dass Barça dann auch noch ein Auswärtsspiel im eigenen Stadion hat, hätte sich kaum jemand vorstellen können. Denn Barcelona hat sich das Motto „Mehr als ein Klub“ nicht nur auf die Fahnen, sondern auch auf die Sitzschalen geschrieben. Dort saßen allerdings vor allem Frankfurter. Wobei das nicht ganz korrekt ist: Die meiste Zeit standen die Eintracht-Fans.

Tobias Rabe

Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

Rund 30.000 von ihnen hatten sich Eintrittskarten für das größte Stadion Europas besorgt. Insgesamt waren am Donnerstagabend knapp 80.000 Zuschauer dort. Offiziell gingen an die Eintracht nur 5000 Tickets, so wie es die Europäische Fußball-Union als Veranstalter des Wettbewerbs in seinen Regeln vorschreibt. Wie aber kam es nun, dass so viele Frankfurter live im Stadion waren. Vorstandsmitglied Axel Hellmann sagte: „Da trifft den FC Barcelona gar keine Schuld. Unsere Fans sind am kreativsten, sich auf allen Wegen Tickets zu besorgen. Das war so und wird immer so sein.“

Spanische Medien spekulierten am Tag danach, dass viele Tickets für deutsche Zuschauer wohl aus Wiederverkäufen durch Spanier kamen, die nicht unbedingt zum Spiel wollten und ein Geschäft aus der Abgabe ihrer Karten witterten. Dazu dürften die Frankfurter vor Ort alles versucht haben, um bei diesem besonderen Spiel dabei zu sein. Vor Ort war es einfacher, weil anders als beim Online-Kauf aus Deutschland nicht ersichtlich war, wer woher kommt. „Es gibt ein paar negative Stimmen nach dem Motto: Wie kann das sein? Es war so, dass unsere Fans über alle Kanäle Tickets besorgt haben – bis zu dem Moment vor dem Spiel. Das kannst du als Verein nicht erkennen“, sagte Hellmann.

Dennoch ist der Ärger beim FC Barcelona immens – nicht nur wegen des Ausscheidens durch den 3:2-Sieg der Eintracht, sondern vielmehr ob der tausendfachen wie lautstarken Unterstützung der Gäste. Die besonders leidenschaftlichen Anhänger des katalanischen Klubs verließen in der Halbzeit sogar ihre Plätze hinter dem Tor und kamen erst zehn Minuten nach Wiederanpfiff zurück – aus Protest, dass ihr Verein es nicht geschafft hatte, vor allem einheimischen Zuschauern, die den FC Barcelona unterstützten, ins Stadion zu bringen.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link