Auch vor großen Namen macht Johannes Spors bei seinen Entscheidungen nicht halt. Nach sieben Spielen hatte der Sportdirektor des CFC Genua genug gesehen: Eine 1:3-Niederlage beim AC Mailand war die letzte Partie unter der Leitung von Trainer Andrej Schewtschenko. Nicht nur die Bilanz des früheren Weltklassestürmers glich zum Jahresanfang der eines Absteigers. Auch der von ihm vermittelte Spielstil war nicht kompatibel mit den Vorstellungen seines Vorgesetzten.

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„Wir wollen aus einem Traditionsverein einen innovativen Klub machen“, sagt Spors der F.A.Z.: „Der Begriff Revolution klingt zu hochtrabend, aber wir wollen Strukturen aufbrechen und Dinge anders als bisher machen.“ Erst wenige Wochen zuvor war Spors selbst von Arnheim nach Genua gewechselt – als erster deutscher Sportdirektor eines italienischen Erstligavereins überhaupt. Kurz darauf installierte er mit Alexander Blessin einen deutschen Trainer. Sieht man von der nur 25-tägigen Amtszeit Rudi Völlers als Trainer des AS Rom im Jahr 2004 ab, ist auch das ein Novum in der Serie A.

Spors und Blessin waren im deutschen Profifußball bislang höchstens in der zweiten Reihe tätig – nun sind sie die entscheidenden Akteure in Genua, beim „Cricket and Football Club“. Beide machten sich einst bei RB Leipzig einen Namen in der Branche – als Chefscout (Spors) und Jugendtrainer (Blessin). Und sie wechselten beide früh ins Ausland. Spors verantwortete als Sportdirektor erfolgreiche eineinhalb Jahre bei Vitesse Arnheim, kam bis ins niederländische Pokalfinale und nutzte das Angebot aus Genua als nächsten Karriereschritt. Blessin führte den Abstiegskandidaten KV Oostende in die Spitzengruppe der belgischen Jupiler Pro League. 2021 wurde er sogar zu Belgiens Trainer des Jahres gewählt.

Leipziger Spielstil in Italien

Trotz einiger Anfragen aus dem Ausland entschied er sich erst Anfang 2022 für einen Wechsel. „Als Trainer überlegt man dann: Ist das wirklich der richtige Schritt? Passt alles? Das Gefühl hatte ich bei der Anfrage aus Genua“, sagt Blessin der F.A.Z. In Leipzig genießt sein Name noch immer einen guten Ruf: „Alex hatte fachlich eine klare und einheitliche Linie, die vor allem von Ralf Rangnick und Helmut Groß geprägt war. Sein Abschied nach acht Jahren war sehr emotional“, sagt Sebastian Kegel, der Leiter des RB-Nachwuchsleistungszentrums. Lukrative Angebote aus der Bundesliga blieben aber aus.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link