Wenn Fußballprofis weinen, haben sie in der Regel kein normales Spiel verloren, und das, was sich da im Ibrox Park von Glasgow zugetragen hatte, war auch alles andere als normal. Um die 50.000 Zuschauer hatten ihre Mannschaft angetrieben, sie bei jedem Ballkontakt nach vorn gepeitscht, gejubelt, geschrien und so dazu beigetragen, dass die Rangers 3:1 gegen RB Leipzig gewannen und nun am 18. Mai das Finale der Europa League (21 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League und bei RTL) bestreiten dürfen. In Sevilla, gegen Eintracht Frankfurt.

Kevin Kampl schossen noch auf dem Spielfeld die Tränen in die Augen, auch bei Peter Gulacsi rollten sie. Beide sind über 30 Jahre alt, Gulacsi 32, Kampl 31. Sie dürften in diesem Moment geahnt haben, dass sie einem europäischen Finale wohl nicht mehr so nahe kommen werden. „Die Enttäuschung ist groß“, sagte Trainer Domenico Tedesco.

„Ihre Körperlichkeit haben wir im Hinspiel schon gespürt“

Neben Trauer und Enttäuschung waren Wut und Ärger die dominierenden Gefühle auf Leipziger Seite. Auf sich selbst und die eigene Unzulänglichkeit. „Da war kein Gegentor dabei, dass so grandios herausgespielt worden wäre, dass wir es nicht hätten verhindern können“, sagte Konrad Laimer.

Das war richtig, aber abseits ihrer limitierten fußballerischen Fähigkeiten boten die Rangers vieles auf, was den Leipzigern abgeht und was in solch einem Halbfinale stärker wiegt als überspielte Pressinglinien und nicht festgemachte Bälle.

Glasgows Spieler wollten mit jeder Faser ihres Körpers ins Finale, Leipzigs nur mit den Füßen. „Ihre Körperlichkeit haben wir im Hinspiel schon gespürt, und das ist schon ein Thema bei uns“, sagte Tedesco und verwies auf ähnlich robuste Gegner wie Union Berlin oder Freiburg, an denen sich seine Mannschaft zuletzt in der Bundesliga abgemüht hatte.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link