Noch ist Rudi Völler, der sich im Sommer aus dem operativen Geschäft zurückziehen wird, recht präsent bei Bayer Leverkusen. Wie in den vergangenen 17 Jahren kommt die Klubikone jeden Morgen zur Arbeit, nimmt an Sitzungen teil und gibt Impulse. Aber die Mannschaft, mit der er nun zum letzten Mal vor seinem Ruhestand zum Duell beim FC Bayern München reist, ist längst keine Rudi-Völler-Mannschaft mehr.

Schon vor gut drei Jahren hat Simon Rolfes den Posten des Sportdirektors von Völler übernommen, der daraufhin Geschäftsführer wurde. Und inzwischen zeigt sich immer deutlicher eine eigene Handschrift des 40 Jahre alten Rolfes, der die Lösung eines uralten Problems seines Klubs in Angriff genommen hat.

Eine wichtige Komponente der Entwicklung und Persönlichkeitsbildung bestehe darin, „Widerstände anzugehen“, sagt Rolfes, das sei etwas, „worauf wir dieses Jahr besonders viel Wert legen“. In dieser Hinsicht hat das Spiel in München den Charakter einer Reifeprüfung. In der Hinrunde waren die Münchner und der Werksklub punktgleich, als sie am achten Spieltag aufeinandertrafen, zur Halbzeit führten die Bayern in Leverkusen 5:0, am Ende gewannen sie 5:1, es war eine Demons­tration der Übermacht. Die Mannschaft von Trainer Gerardo Seoane stürzte aus allen Träumen und in ein Leistungsloch. Innerhalb weniger Wochen ging der Anschluss an die Tabellenspitze verloren. Typisch Leverkusen, lautete das allgemeine Urteil.

Typisch Bayer Leverkusen?

Seit Jahren neigt Bayer Leverkusen dazu, das Publikum mit hinreißend schönem Fußball zu begeistern, um in den weniger guten Phasen einer Saison besonders viele Punkte zu verspielen. Jedenfalls gemessen am Anspruch eines Champions-League-Anwärters. Jeder Klub erlebe solche Wochen, in denen es weniger gut läuft, erklärt Rolfes, wie stark diese ausgeprägt seien, hänge „von der Reife des einzelnen Spielers und von der Reife der Mannschaft ab“.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link