Markus Krösche, der Sportvorstand der Eintracht, hat angekündigt, in Barcelona an diesem Donnerstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League und bei RTL) auf Sieg zu spielen. Kann die Eintracht im Camp Nou gewinnen?

In Kombination mit den fantastischen Fans kann es klappen. Es wird kein Auswärtsspiel. Frankfurter Anhänger, das wissen wir alle, sind besonders kreativ. Sie werden sich besonders viele Eintrittskarten besorgt haben. Damit können sie die Stimmung im Stadion neutralisieren, und das hilft der eigenen Mannschaft. Das haben wir gesehen, wenn wir in den vergangenen Jahren europäisch unterwegs waren. Bei den Spaziergängen vor den Spielen konnte man stets feststellen, wie viele Fans, die in Europa ganz einfach zu den Besten gehören, sich wieder auf den Weg gemacht haben, das hat unwahrscheinlich motiviert und einen richtigen Schub gegeben. Zumal das Barcelona von heute nicht mehr das Barcelona von früher ist. Sie haben einen großen Umbruch hinter sich und müssen wirtschaftliche Probleme bewältigen. Ich halte die Chance für realistisch, dass die Eintracht, wenn alle zusammen ihre Stärken umsetzen können, weiterkommt.

Waren Sie überrascht, wie gut die Eintracht sich beim 1:1 Hinspiel aus der Affäre zog? Oder war das nach den Erfahrungen in großen Spielen mit Donezk, Marseille, Inter Mailand oder Benfica zu erwarten?

Ich habe immer gesagt: Donnerstagabend ist Eintracht-Zeit. Wenn das Flutlicht angeht und die Hymne ertönt, ist die Mannschaft bereit. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich mal in München unterwegs war und eine Gruppe Fußball-Fans kam auf mich zu. Das erste, was sie mir damals sagten, war: „Wir sind zwar alle Bayern-Fans, aber unsere Zweitstimme gehört der Eintracht, denn es ist phänomenal, was ihr in Europa leistet.“ Und es stimmt, der Verein hat seit Jahren den Wettbewerb wie kein anderer verinnerlicht. Er wird daher in Europa mittlerweile auch ganz anders wahrgenommen. Und dass die Spieler immer wieder in der Lage sind, Außergewöhnliches zu leisten, wissen sie selbst, das verschafft ihnen Selbstvertrauen.

Im Gespräch: Bruno Hübner war zehn Jahre lang Sportdirektor bei der Eintracht.


Im Gespräch: Bruno Hübner war zehn Jahre lang Sportdirektor bei der Eintracht.
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Bild: picture alliance / Laci Perenyi

Sie waren 2018 dabei, als die Eintracht im DFB-Pokalfinale die Bayern düpierte: Wie stellt man es am besten an, um als Außenseiter einem hohen Favoriten das Bein zu stellen?

Es gibt den Spruch, dass eine Mannschaft für besondere Spiele keinen Trainer bräuchte, weil alle wüssten, was auf dem Spiel steht. Das halte ich für völlig falsch. Gerade für solche Momente braucht man einen Super-Trainer. Ich kann mich gut erinnern, wie wir im Frühjahr 2018 im Halbfinale 1:0 auswärts auf Schalke gewonnen haben, und unser Trainer Niko Kovac anschließend sofort sagte: „Ich weiß genau, wie ich gegen die Bayern spielen lasse!“ Wir haben dann am 19. Mai in Berlin mit einem 4-3-3-System begonnen, das so auch von den Bayern niemand auf dem Zettel hatte. Es ist immer gut, wenn man den Gegner mit einer taktischen Überraschung verwirrt. Ein Trainer ist zudem gefordert, das Team zu pushen. Gleichzeitig muss er aufpassen, dass niemand überdreht. Wir haben damals viel mit Filmen gearbeitet, in denen Highlights voriger Eintracht-Spiele vorkamen. Damit hat Niko Kovac die Spieler auf den Punkt fokussiert und perfekt motiviert. Und ich gehe fest davon aus, dass Oliver Glasner nun genauso handelt.

Was muss die Eintracht anders machen als im Hinspiel, worauf kann sie aufbauen?

Barça war beeindruckt, wie die Eintracht die Herausforderung angenommen hat. Sie sind ganz schwer in Gang gekommen, und Kevin Trapp musste kurz nach dem Anpfiff nur einmal bei einem Fernschuss super gegen Ferran Torres klären. Sie dachten vielleicht, es wird in Frankfurt von Anfang an ein Selbstläufer. Doch das war ein Irrtum. Ihnen wurde der Schneid abgekauft. Die Eintracht hat selbst nach vorne gespielt und Nadelstiche gesetzt. Genauso muss sie es jetzt auswärts angehen. Auch auf die Dreierkette mit Martin Hinteregger kommt vieles an: Sie wird gewiss im Fokus stehen. Doch diese Konstellation liegt Martin besonders. Wir müssen uns nur an die Spiele gegen Chelsea erinnern, wie er gegen Olivier Giroud alles im Griff hatte. Er ist für solche Spiele prädestiniert, und er reißt mit seiner Hingabe die anderen mit. Und natürlich wird es darauf ankommen, dass Kevin Trapp seinen Job zwischen den Pfosten wieder so gut erledigt, wie er das schon seit Monaten macht.

Ihr Tipp für Donnerstagabend?

Ich wünsche mir, dass die Eintracht weiterkommt. Auch wenn es schwer wird.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link