Im Freudentaumel wählte Carlo Ancelotti Schostakowitsch. Die Melodie von „Walzer Nr. 2“ schien den Tausenden Fans von Real Madrid, die am Cibeles-Brunnen vor dem Rathaus den gerade errungenen Meistertitel bejubelten, ein wenig fremd. So traf eigentlich nur der Italiener mit dem Mikrofon in der Hand den Ton, doch das tat seiner Freude keinen Abbruch. „Lo, lo, lo, lo. . . Madrid“, sang der Trainer zur Walzer-Melodie und dirigierte die Anhänger. Zum Glück hatten seine Spieler wenige Stunden zuvor besser auf ihn gehört. Mit einer ungewöhnlichen Aufstellung hatten sie Espanyol Barcelona 4:0 im Bernabéu-Stadion besiegt.

Zum Abschluss seiner Gesangseinlage rief Ancelotti den Fans noch zu: „Genau diese Stimmung brauchen wir auch am Mittwoch!“ Denn dann will Real im Halbfinale der Champions League (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN) die 3:4-Niederlage aus dem Hinspiel gegen Manchester City wettmachen. Doch zuvor sollte der Titelgewinn der heimischen Liga gefeiert werden.

„Noch mal, noch mal. Ich bin gerne in der Luft!“, rief der Coach seinen Spielern zu, die ihn am Samstag in die Höhe warfen. Mit dem spanischen Titel ist er der einzige Trainer, der in fünf europäischen Ligen Meister geworden ist, in Italien, England, Frankreich, Deutschland und nun auch in Spanien. In seiner ersten Amtszeit bei Real (2013 bis 2015) hatte es „nur“ zur Champions League gereicht, aber schon Zinédine Zidane hatte trotz seiner drei Champions-League-Titel mit Real Madrid die spanische Meisterschaft mit mindestens zwei Konkurrenten als den viel schwierigeren Wettbewerb erachtet.

Benzema so gut wie nie

Jorge Valdano, einst Mittelfelddirigent bei Real Madrid, heute Kommentator beim spanischen Pay-TV-Anbieter Movistar, urteilte, dies sei die Liga von Carlo Ancelotti. Die Hälfte des Kaders habe sich mit ihm verbessert. Tatsächlich: Karim Benzema spielt mit 34 Jahren seine beste Saison. 42 Tore hat er in 42 Einsätzen geschossen, 13 Vorlagen gegeben, die meisten seinem Stürmerkollegen Vinícius, dem schon das Schild „zu verkaufen“ umhing und der nun 18-mal getroffen hat. Auch bei Luka Modrić fragt niemand mehr danach, ob er trotz seiner 36 Jahre einen neuen Vertrag bekommt. Er ist der große Kreativposten im Mittelfeld. So könnte man eigentlich jede Position durchgehen.

Nur bei David Alaba fragen sich manche, ob aus ihm wirklich der Abwehrchef werden wird, wie man sich in Madrid erhofft. Der unorganisierte Auftritt im Hinspiel gegen Manchester mag aber seiner Verletzung geschuldet sein. Sein Einsatz im Rückspiel am Mittwoch gilt als fraglich.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link