Bei aller Routine, die der Bundesligabetrieb über die Jahrzehnte entwickelt hat, gibt es sie noch, diese ganz großen Momente des puren Fußballglücks. In der Stunde nach der 85. Spielminute der Partie des VfL Bochum bei Borussia Dortmund wurde der Gästeblock im Norden des Westfalenstadions zu einem Ort, an dem die Menschen voller Überschwang um Fassung rangen. Ihr Klub hatte ein verrücktes Spiel 4:3 gewonnen und damit „die Krönung“ für eine hinreißend schöne Saison geschaffen, wie Trainer Thomas Reis später sagte.

Nun rannten die Spieler immer wieder auf ihre Anhänger zu, brüllten, sangen, ließen ihre Fäuste kreisen. Berauscht von der Mischung aus der Freude über ein für sich genommen schon riesengroßes Fußballspiel und dem noch größeren Glück, den Klassenverbleib geschafft zu haben. „Ich habe keine Worte dafür, das ist unfassbar“, sagte Torhüter Manuel Riemann.

Sie hatten 2:0 geführt, 2:3 zurückgelegen und jubelten am Ende über einen 4:3-Sieg. Erstmals in diesem Jahrtausend haben sie im Stadion des Giganten aus der Nachbarstadt gewonnen. Milos Pantovic, der fünf Minuten vor dem Ende das Siegtor geschossen hatte, war sich nicht einmal sicher, ob die Party rechtzeitig vor der nächsten Trainingseinheit am kommenden Dienstag zu Ende gehen würde. „Keine Ahnung, ob wir das schaffen“, sagte der Mittelfeldspieler, während Reis voller Stolz verkündete: „Was hier in den letzten zwei Jahren entstanden ist, ist ein Traum.“

Die ganz großen Geschichten wurden zwar anderswo erzählt. Beispielsweise gab es das Dauerkrisendrama beim BVB, dem an diesem Tag ein neues Kapitel mit der mittlerweile gut bekannten Fehlerflut und wieder einmal zornig pfeifenden Fans hinzugefügt wurde. Für Schlagzeilen sorgten auch die von vielen Bedenken und Zweifeln begleitete Meisterschaft des FC Bayern, das Niedergangsdrama des Big-City-Klubs aus Berlin, und vielleicht bewegen sogar die Höhenflüge des SC Freiburg und des 1. FC Köln mehr Menschen als der VfL Bochum.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link