Ein Fußballspiel ist voller Entscheidungen. Permanent müssen die Spieler sich festlegen. Nach vorne oder hinten? Links oder rechts? Kopf oder Fuß? Laufen oder stehen? Schnell oder langsam? Den Ball abspielen oder nicht? Wer zu viele falsche Entscheidungen trifft, droht das Spiel zu verlieren. Wer mehr richtige Entscheidungen fällt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, am Ende ein Sieger zu sein. Und wer sich nicht so recht entscheiden kann, spielt am Ende zumeist – unentschieden. Die deutsche Nationalmannschaft kennt dieses Spiel inzwischen: Das 1:1 in Ungarn war das vierte Unentschieden mit diesem Ergebnis in Serie.

Tobias Rabe

Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

1:1 in den Niederlanden, 1:1 in Italien, 1:1 gegen England, und nun auch 1:1 am Samstagabend in der Puskás Aréna in Budapest. Die frühe Führung durch Zsolt Nagy in der sechsten Minute glich der Deutsche Jonas Hofmann nur 180 Sekunden danach aus. Mit drei Punkten aus drei Spielen steht die Auswahl von Hansi Flick nach der Hälfte der Nations-League-Partien auf Platz drei. Es folgt das zweite Duell mit Italien in Mönchengladbach an diesem Dienstag (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Nations League und im ZDF), im September geht es nach England, danach kommt Ungarn zum Rückspiel.

So wie die Deutschen spielten, sprachen sie danach auch. „Wir haben nicht das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben“, sagte der Bundestrainer in der Pressekonferenz. „Letztendlich sehe ich das Ganze trotzdem positiv. Wir haben kein Spiel verloren.“ Nico Schlotterback fand bei RTL erst positive Worte: „Ich glaube, es war eine ordentliche Leistung von uns allen.“ Aber: „Wir hatten nicht so eine gute Durchschlagskraft.“ Und Kapitän Manuel Neuer? „Natürlich sind wir enttäuscht, weil wir uns mehr ausgerechnet haben“, sagte er. Andererseits: „Ich will nicht von einem glücklichen Unentschieden sprechen.“ Mal so, mal so, die Richtung ist nicht erkennbar.

„Es war für uns ein Rückschritt“

Die Nationalelf dreht sich im Kreis. Dabei besteht die Gefahr, die Orientierung zu verlieren. Dabei ist das Ziel klar formuliert. Die Deutschen wollen bei der Weltmeisterschaft in Qatar im November und Dezember den Titel holen. Doch auf dem Weg droht die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sich zu verlaufen. „Ich habe der Mannschaft gesagt, dass es kein einfacher Weg wird, sondern dass es auch Rückschläge gibt“, sagte Flick. „Vom Ergebnis her und von der Art und Weise, wie wir das Spiel angegangen sind, war es für uns ein Rückschritt.“ Es sei augenfällig, „dass bei uns komplett in der Mannschaft die Überzeugung fehlt“. Das ist kein guter Wegweiser vor einer WM.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link