Der AC Mailand ist zum neunzehnten Mal italienischer Fußballmeister geworden, und neben all den kleinen Geschichten und Anekdoten rund um den Scudetto, wie etwa Ibrahimovics Rede und Tischwurf nach dem Drei-zu-null-Sieg in der Kabine oder Berlusconis Freudenhüpfer vor dem Dom und einem Mailand, das zwei Nächte lang vibrierte und in Rot-Schwarz getaucht war, gibt es eine Geschichte, die man sich bestimmt noch lange erzählen wird, da sie alles hat, was eine gute Story in Italien braucht – Drama, Emotionen, den Sieg des Guten und sogenannte Furbizia, also gaunerhafte Cleverness.

Zudem gibt es Bilder, die den Hergang dokumentieren. Das erste zeigt den Trainer Stefano Pioli am Sonntag im Mapei Stadium von Reggio Emilia. Er steht glücklich auf dem Rasen und bedankt sich strahlend bei den Fans, um den Hals die gerade verliehene Medaille der Serie A. Das zweite Bild entstand kurz darauf; wieder ist Pioli am Klatschen, strahlt nun aber ein bisschen weniger und – die Medaille um den Hals fehlt. Auf dem dritten Foto sieht man zwei Carabinieri, einer zeigt Piolis Medaille in der offenen Hand.

Was war geschehen? In der Euphorie und dem Taumel des Sieges, als die AC-Mailand-Fans auf den Rasen stürmten und Pioli einen Augenblick lang in einer brüllenden Traube aus Spielern, Funktionären, Rossoneri-Anhängern verschwand – da riss ihm jemand die Medaille vom Hals. Noch in derselben Nacht verbreitete er einen Aufruf: „Man hat mir meine Medaille weggerissen. Gebt sie mir bitte zurück, es ist die einzige, die ich habe!“ Die Serie A reagierte sofort: „Hey Mr. Pioli, wir geben dir morgen nochmals eine Medaille!“, verkündete sie auf Twitter.

Es kam nicht dazu, die Trophäe tauchte wieder auf. Der Dieb hatte der Versuchung nicht widerstehen können, sich mit der unverschämten Tat zu brüsten, und postete auf Instagram ein Video. Man sieht darin drei Rossoneri-Anhänger: erst während des Spiels und dann beim Verlassen des Stadions – nun mit der Medaille in der Hand. Am Ende gibt es ein Selfie von den Dreien mit Medaille. „Grazie ­Pioli“, schrieb der Übeltäter dazu frech.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link