An der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist auch in den kommenden Jahren kein Platz für eine Frau, wie immer seit nun 122 Jahren. Das hat die von Katja Kraus und acht weiteren Frauen aus dem Fußballbusiness ge­gründete Initiative „Fußball kann mehr“ nicht ändern können. Im vergangenen Monat hat der DFB-Bundestag zwar mit den quälenden und lähmenden Machtkämpfen der jüngsten Vergangenheit abgerechnet und nahezu die gesamte männliche Führungsriege der vergangenen Jahre ausgetauscht. Doch die Forderung nach einer geschlechtergerechten Doppelspitze haben die Fußballmänner selbst in der größten Krise des Verbandes bei allen unterschiedlichen Interessen trotzdem noch gemeinsam abgewehrt. Eine Frau allein an der Spitze des Verbandes, der rund sieben Millionen Mitglieder vertritt, darunter rund eine Million Frauen und Mädchen, war dort ohnehin nicht vorstellbar gewesen. Den Kampf um den Präsidentenposten mach­ten schließlich zwei Männer unter sich aus. „Dass Männer die Macht lieber unter sich verteilen, das gibt es nicht nur im Fußball“, sagt Katja Kraus. „Aber dort wird es längst nicht ausreichend in Frage gestellt.“

Für Kenner der deutschen Fußballszene ist gleichwohl klar: Mit Katja Kraus hätte es durchaus eine Frau gegeben, die mit einer Kandidatur die männliche Fußball-Hierarchie auf den Kopf und den DFB erstmals auf weibliche Beine hätte stellen können. Die 51 Jahre alte Hessin ist seit rund zwanzig Jahren die wohl stärkste weibliche Stimme des deutschen Fußballs. Ihre Führungskompetenz hat sie auf verschiedenen Posten im Fußball- und Sportbusiness längst bewiesen. Als geschäftsführende Gesellschafterin der Sportmarketingagentur Jung von Matt/sports, als langjährige Auf­sichtsrätin bei Adidas, als Vorstandsmitglied über acht Jahre beim Hamburger SV. Sie ist eng vernetzt mit dem politischen und medialen Betrieb. Es fehlt auch nicht an Anfragen, Verantwortung in einem Bundesligaklub an führender Stelle zu übernehmen. Und auch auf dem Rasen hatte die einstige Torhüterin des FSV Frankfurt Erfolg: Vizeweltmeisterin, Europameisterin, mehrfache deutsche Meisterin.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link