In Fußball-Deutschland hört man zu oft auf Männer, die in deutschen TV-Studios sitzen (läuft bei Ihnen, Lothar Matthäus!). Hören wir uns deswegen an, was ein Mann zu sagen hat, der in einem ausländischen TV-Studio sitzt. „Würde er Manchester United trainieren, hätten sie gewonnen“, sagte dort nun Paul Scholes, der als Mittelfeldspieler in Manchester (1993 bis 2013) ein Experte fürs Gewinnen geworden ist. Er meinte Diego Simeone, den argentinischen Trainer von Atlético Madrid, der mit seiner Mannschaft im Achtelfinale der Champions League 1:0 in Manchester gewonnen und United aus dem Wettbewerb geworfen hat.

Man muss Simeone nicht mögen – und manchmal sogar verurteilen. An der Aussage von Scholes ändert das aber nichts. Seit Simeone im Sommer 2011 von Atlético – einem Klub, der nicht am Ende der europäischen Nahrungskette steht – angestellt worden ist, hat er zweimal das Finale der Europa League gewonnen und zweimal das Finale der Champions League erreicht. Seine Mannschaften, die spektakulär verteidigen, gewinnen nicht nur. Seine Mannschaften gewinnen mit Stil. Er hat nämlich eine Fußballidee, die modern und titeltauglich ist. Er hat, was Ralf Rangnick fehlt.

In Fußball-Deutschland hört man nicht oft genug auf Frauen und Männer, die in ausländischen TV-Studios sitzen. Hören wir uns deswegen an, was Paul Scholes noch zu sagen hat. „Wie er Trainer dieses Klubs wurde, weiß ich nicht“, sagte er. Scholes meinte damit Ralf Rangnick, den deutschen Trainer von Manchester United.

Man sollte nun nicht vergessen, wie wichtig Rangnick in Deutschland als Vordenker für den Fußball war – und gleichzeitig nicht ignorieren, wie er im Ausland auch wahrgenommen wird. „Er hat interessante, aber unwichtige Dinge geleistet“, sagte etwa der italienische Trainer Fabio Capello. Diese Kritik ist vielleicht unfair. Eine andere ist es aber nicht: Mit seinem radikalen Gegen-den-Ball-Fußball hat Rangnick in Deutschland nur einen wichtigen Titel gewonnen: den DFB-Pokal mit Schalke – als er die Mannschaft vor dem Finale gegen den Zweitligaverein Duisburg übernahm.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link