Die Rot-Kreuz-Vorständin Nicole Kumpis ist neue Präsidentin von Eintracht Braunschweig. Die 48-Jährige setzte sich am Mittwochabend bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung mit 472:411 Stimmen gegen den Unternehmer Axel Ditzinger durch und ist damit die erste Frau seit 36 Jahren, die in Deutschland an der Spitze eines Profifußball-Klubs steht.

Kumpis wurde bei dem Tabellenvierten der dritte Liga zur Nachfolgerin von Christoph Bratmann gewählt, der bei einer Mitgliederversammlung im November nicht die nötigen Stimmen für eine Wiederwahl erhielt. Die Veranstaltung am Mittwoch wurde coronabedingt nur virtuell durchgeführt. Die Vorständin des Deutschen Roten Kreuzes Braunschweig-Salzgitter war in den vergangenen drei Monaten bereits Vizepräsidentin des Klubs und leitete bis 2021 die Eintracht Braunschweig Stiftung. „Langfristig wollen wir uns in der zweiten Liga etablieren und dann auch wieder mit allem Mut an der ersten Liga anklopfen“, sagte Kumpis.

Signal für den Profifußball

Im Vorfeld der Wahl hatte Kumpis der Deutschen Presse-Agentur gesagt, ihr sei klar, dass von ihrer Kandidatur „eine Wirkung“ ausgehe. „Unser Verein wird bald 127 Jahre alt. Und es gab vor mir noch nie eine Frau im Präsidium. Es ist ja schon ein Novum, dass ich die erste Vizepräsidentin in der Geschichte der Eintracht bin.“ Natürlich müsse man sich da „im Jahr 2022 die Frage stellen: Wie kann das sein?“

Die Wahl von Kumpis ist ein weiteres Signal im Profifußball. Im Januar übernahm Donata Hopfen den Vorsitz der Geschäftsführung bei der Deutschen Fußball Liga. Erst am vergangenen Freitag besiegte die Sportwissenschaftlerin Silke Sinning den jahrelangen Strippenzieher Rainer Koch bei den Präsidiumswahlen des Deutschen Fußball-Bundes. Mit Kumpis hat nun zumindest einer von 56 Klubs in den drei deutschen Profiligen eine Präsidentin.

Die erste und bislang einzige Frau, die in Deutschland an der Spitze eines Profifußball-Klubs stand, war 1986 Gisela Schwerdt. Die FDP-Politikerin führte damals für acht Monate den Vorsitz bei Arminia Bielefeld. Schwerdt wäre vor einer Woche 105 Jahre alt geworden.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link