Xavi Hernández i Creus war richtig bedient. Die Fußballlegende des Futbol Club Barcelona, die seit 8. November Trainer des katalanischen Weltklubs ist, hatte nicht nur die 2:3-Niederlage und das Aus im Europa-League-Viertelfinale zugesetzt. Dass im heimischen Stadionschüssel Camp Nou die Besucher aus Frankfurt auf dem Rasen den Ton angaben, ärgerte ihn. Dass die Eintracht dabei von 30.000 Fans lautstark unterstützt wurde, ärgerte den früheren Welt- und Europameister noch mehr. „Das ist ein Planungsfehler. Wir wollen wissen, was geschehen ist. Wenn wir zu Hause spielen, kann das nicht passieren.“ Es konnte. Stattdessen hätten sich die Gäste „wie zu Hause gefühlt. Natürlich hilft das nicht“.

Tobias Rabe

Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

Xavi verglich die Zuschauerverhältnisse mit denen eines Finales in einem neutralen Stadion, in dem sich die Sympathien gleichmäßig verteilen unter den insgesamt knapp 80.000 Zuschauern. Dass das aber bei einem Heimspiel passiere, sei enttäuschend. Da die Frankfurter Fanszene vorgegeben hatte, in weißer Kleidung zu erscheinen, waren die Eintracht-Unterstützer auch optisch bestens erkennbar. Barcelonas Präsident war empört wie sein Trainer. „Das, was passiert ist, war eine Schande, die sich nicht wiederholen darf. Wir werden Maßnahmen ergreifen, denn das ist beschämend.“ Das sahen auch einige Barça-Fans so: Sie verließen zur Halbzeit zwischenzeitlich aus Protest das Stadion, kamen aber nach zehn Minuten wieder.

Dabei hätte der FC Barcelona durchaus damit rechnen können. Dass Frankfurter Fans ihr Team gerne durch Europa folgen, dass für sie ein Besuch in Barcelona etwas Besonderes ist, dass sie kreativ sind beim Erwerb von Tickets, war vor dem Spiel bekannt. „Da trifft den FC Barcelona gar keine Schuld“, sagte das Frankfurter Vorstandsmitglied Axel Hellmann am Abend. „Unsere Fans sind am kreativsten, sich auf allen Wegen Tickets zu besorgen. Das war so und wird immer so sein.“ Ursprünglich hatte die Eintracht gemäß der Regeln 5000 Tickets erhalten. Etwa mit ausländischen Kreditkarten oder dem kurzfristigen Kauf vor Ort aber stockten sie ihr Kontingent deutlich auf.

„Ich dachte, ich bin in Frankfurt“

Und alle, die es mit den Frankfurtern hielten und es ins Stadion geschafft hatten, nutzten ihre Zeit dort genüsslich aus. Während die enttäuschten Einheimischen ihre Plätze teils vor Spielschluss verlassen hatten und die Treffer Barcelonas durch Sergio Busquets (90.+1 Minute) und Memphis Depay per Elfmeter (90.-10) in der Nachspielzeit verpassten, feierten die Eintracht-Anhänger sich und ihre Fußballhelden lange nach Abpfiff. Dabei zeigte sich, wie viele Frankfurter tatsächlich nicht nur in ihrem Block hoch im Oberrang der imposanten Arena waren, sondern wie sie sich verteilten im kompletten Rund. Torwart Kevin Trapp fasste die Lage prägnant zusammen: „Ich dachte, ich bin in Frankfurt.“

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link