Ausgerechnet jetzt. Florian Voigt hat sich die Achillessehne gerissen, schon vor dem Spiel der Eintracht in Barcelona. Also haben ihm Freunde einen Rollstuhl besorgt, ihn in Katalonien durch die halbe Stadt und zum Stadion geschoben, wo er einen Aufzug benutzen durfte, um auf seinen Platz in der riesigen Arena zu gelangen, in der die Eintracht phänomenal 3:2 gegen den großen FC Barcelona gewann. Das alles hat Florian Voigt auf sich genommen, „es war Wahnsinn“, obwohl, wie er sagt, „es eigentlich unvernünftig war“. Doch nun muss der Eintrachtfan wegen seiner Verletzung aussetzen, ausgerechnet bei seinem Heimspiel in London. Denn Florian Voigt, geboren in Gießen, zehn Jahre beruflich in Frankfurt tätig, lebt seit 13 Jahren in der Neun-Millionen-Einwohner-Metropole. Die englische Hauptstadt ist seine Heimat geworden, hier sind seine Kinder geboren, „und uns gefällt es hier immer noch, trotz des Brexit“.

Daniel Schleidt

Koordinator der Wirtschaftsredaktion in der Rhein-Main-Zeitung.

Nur eine Sache fehlt Voigt in London: deutscher Fußball. Um zumindest aus der Ferne mit Gleichgesinnten seiner Liebe zu dem Sport nachzugehen, hat Voigt mit ein paar Gleichgesinnten den Eintracht-Fanclub „Eagles of London“ gegründet. Ein Fanclub für einen Verein aus Frankfurt, und das in einer Stadt, die mit Chelsea, West Ham, Tottenham, Brentford, Watford, Crystal Palace und Arsenal reichlich Spitzenfußball in der englischen Premier League zu bieten hat?

Leidenschaft der Eintracht-Freunde

Für Florian Voigt ist das kein Widerspruch. „Die Engländer beneiden Deutschland und speziell Frankfurt um die Fankultur“, sagt Voigt, schiebt aber schnell hinterher: „Auch wenn sie das niemals zugeben würden.“ Die Leidenschaft der Eintracht-Freunde ist mittlerweile in ganz Europa bekannt und wird bewundert. Die Europäische Fußballverband Uefa wirbt offensiv mit Bildern von Choreos bei Heim- und riesigen Fanmärschen bei Auswärtsspielen, wo Einheimische auf ihren Balkonen stehen und die Menschenmassen aus Hessen filmen.

Wie diese Kultur funktioniert, zeigen die Frankfurter auch wieder auf der Reise nach London. Es ist Mittwochnachmittag, als Florian Schmidbauer mit drei Freunden im Auto auf dem Weg nach Basel sitzt. Schmidbauer ist Teil des Fanclubs „Eagles around the world“, die Mitglieder auf der ganzen Welt haben: in Kolumbien, den Philippinen, Sudan, Äthiopien und natürlich auch in England. Während des Viertelfinales in Barcelona, als die Eintracht zur Halbzeit schon völlig überraschend 2:0 führte, hatte Schmidbauer bereits im Stadion versucht, für den London-Trip günstige Flüge zu buchen. Die Idee hatten andere auch, die Preise schossen in die Höhe, „Direktflüge aus Frankfurt waren unbezahlbar“. Also wichen er und seine Kumpels auf Basel aus.

Die Kreativität der Frankfurter auf dem Weg zu Reisezielen in ganz Europa kennt keine Grenzen, auch nicht auf dem Trip nach London. Schmidbauer erzählt von Freunden, die von Hamburg nach London fliegen, andere kommen aus Brüssel, München, Köln und Nürnberg. Der Eintracht-Fanclub Bergen-Enkheim hat einen Bus gechartert, viele andere wie Sebastian Finke reisen mit dem Auto an, zuvor hatten sie über Soziale Medien anderen Fans Mitfahrgelegenheiten angeboten.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link