Zum Glück blieb es alles in allem weitgehend friedlich. Es wäre ein Jammer gewesen, wenn die Feierstunde noch weiter eskaliert wäre und im Nachgang den Erinnerungswert dieses Spiels empfindlicher beschädigt hätte. Die Eintracht wird für ihre freudetrunkenen Fans, die im Überschwang der Glücksgefühle die Beherrschung verloren, eine Strafe zu bezahlen haben. Das ist richtig so. Zum bleibenden Eindruck des denkwürdigen Halbfinals gehört aber mehr.

Abende wie diese sind es, die dem Fußball das gewisse Etwas verleihen, das zu seiner Attraktivität beiträgt und von keiner noch so teuren Hochglanz-Werbekampagne am Reißbrett kreiert werden kann. Ungestüm, kurzweilig und spannend ging es zu in der Arena im Frankfurter Stadtwald, wo sich die Eintracht einen prestigeträchtigen Erfolg verdiente, dessen Tragweite allenfalls in Ansätzen zu erahnen ist: Oliver Glasner und sein Team können vom Triumph in der Europa League träumen.

Der Sieg gegen West Ham United, das in zwei Begegnungen kein Mittel fand, die Durchschlagskraft der Hessen zu stoppen, ebnete den Weg ins Endspiel in Sevilla am 18. Mai. Die Chancen der Frankfurter sind groß, dann aus dem Duell mit den Glasgow Rangers als strahlender Gewinner hervorzugehen – sofern sie zu guter Letzt genauso engagiert zu Werke geht wie bisher, ist für sie das Meisterstück machbar. Sie stehen kurz vor der Krönung.

Was Trainer und Spieler international erreicht haben, ist schon jetzt aller Ehren wert. Ohne ihr überzeugendes Zutun, bei dem alle Beteiligten immer wieder ihre mentalen und körperlichen Grenzen ausloten, würde der Wettbewerb hierzulande weiter als unscheinbares Anhängsel der ansonsten vieles überstrahlenden Champions League ein Schattendasein fristen.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link