Raum für Emotionen. Spieler und Fans haben sich viel Zeit dafür genommen. Das London Stadium war schon längst so gut wie leer, als die 3000 Eintracht-Anhänger auf der Sir-Trevor-Brooking-Tribüne noch immer ihre Lieblinge hochleben ließen. Alle bekannten Lieder wurden mit voller Inbrunst intoniert – und die siegreichen Spieler waren mittendrin. Wieder ein magischer Fußballabend, wieder eine Eintracht, die in der Europa League scheinbar über sich hinauswächst und keine Scheu vor großen Namen hat. Vor zwei Wochen noch jenes epische 3:2 auswärts im Camp Nou beim FC Barcelona. Nun das 2:1 im einstigen Londoner Olympiastadion bei den Malochern von West Ham United.

United, vereint – dies war die Eintracht an diesem Abend ein weiteres Mal. Die Fans sangen von „Europas bester Mannschaft“, was natürlich viel zu hochgegriffen ist. Doch in der Europa League, in Europas zweitwichtigstem Fußballwettbewerb, sind die Frankfurter wirklich eine Macht. Bislang ging kein Spiel für die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner verloren. Gruppenphase, Viertelfinale – alles lief perfekt. So wie jetzt auch das Hinspiel im Halbfinale bei den Hammers. „Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft“, sagte Glasner zu vorgerückter Stunde im prall gefüllten Presseraum der großen Arena. „Was mich wirklich schwer beeindruckt, ist, wie wir aus der Kabine kommen. Weil wir mutig sind und nach vorne spielen.“

Das frühe Führungstor hat der Eintracht gehörig in die Karten gespielt. Fünfzig Sekunden nur dauerte es, dann schlug Ansgar Knauff mit dem Kopf zu. Und als später Daichi Kamada auch noch traf (54. Minute) und West Ham lediglich der zwischenzeitliche Ausgleichstreffer durch Michail Antonio gelang (21.), war die nächste große Fußballnacht perfekt. „Wir haben ein gutes Spiel gemacht“, lobte Markus Krösche. „Das war ein sehr intensives Spiel, das war nicht so einfach“, fügte der Sportvorstand an, um sogleich vor allzu vorschnellem Optimismus zu warnen. „Wir haben jetzt eine gute Ausgangsposition, aber es ist erst das Hinspiel.“

Mit den Engländern ist nicht zu spaßen

Im Viertelfinale war es auswärts das 3:0 bei Olympique Lyon, das West Ham nach dem 1:1 im Hinspiel das Weiterkommen sicherte. Soll heißen: Mit diesen Engländern ist nicht zu spaßen. Doch die Eintracht hat es im ersten Aufeinandertreffen seit jenem Pokalsieger-Halbfinale 1976 geschafft, den Tatendrang der Hammers zu stoppen. Einer der Gründe, warum es an diesem mitreißenden Fußballabend wirklich wunschgemäß für die Eintracht lief, war das Gesamtpaket.

Raum für Emotionen: Die Eintracht feierte noch lange mit ihren Fans.


Raum für Emotionen: Die Eintracht feierte noch lange mit ihren Fans.
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Bild: AFP

„Wir haben im eigenen Ballbesitz sehr gute Lösungen gefunden“, sagte Trainer Glasner. Immer wieder zirkulierte der Ball ansehnlich durch die eigenen Reihen, immer wieder wurde nach spielerischen Mitteln gesucht. Sicherlich: Martin Hinteregger entschied sich auch in London ab und an dazu, in Gefahrenmomenten den Ball schnell und kompromisslos aus der eigenen Gefahrenzone zu schlagen. Doch zumeist suchte der Abwehrchef den freistehenden Nebenmann. Oft fand der Österreicher dabei Almamy Touré.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link