Sie haben Ihren Vertrag bei der Eintracht um fünf Jahre bis Mitte 2027 verlängert. Ist Ihr Traum, Oberbürgermeister von Frankfurt zu werden, damit vorbei?

Nein, das würde ich nicht sagen. Die Bereitschaft und die Vorstellung habe ich noch immer. Gegenwärtig lassen es Corona und die Folgen aber nicht zu, die Eintracht zu verlassen. Wenn wir in den letzten zwei Jahren wirtschaftlich nicht derart gebeutelt worden wären, dann hätte ich aktuell stärker in Erwägung gezogen, meine Bereitschaft in der Politik zu signalisieren. Gute Gespräche hat es mit verschiedenen Parteivertretern gegeben. Jetzt aber ist es notwendig, weiter meinen Beitrag zu leisten für die langfristige Stabilisierung und Weiterentwicklung der Eintracht.

Die gesellschaftliche Bedeutung der Eintracht ist in den vergangenen Jahren spürbar gewachsen, man kann fast von einer politischen Bedeutung sprechen. Das Motto des FC Barcelona lautet „Mes que un club“. Ist die Eintracht auch „mehr als ein Verein“?

Das war und ist sie, zweifelsfrei. An der Basis und an der Spitze. Es freut mich sehr, dass Peter (Präsident Peter Fischer, d. Red.) für seine Arbeit eine breite Anerkennung bekommt über vielfältige Auszeichnungen, die er aktuell erhält. Ich finde, das ist für die Eintracht und ihre ideelle Wahrnehmung nicht hoch genug einzuschätzen. Es ist gut, weil ein Verein nur dann erfolgreich sein kann, wenn er sportliche Exzellenz mit wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und Haltung kombiniert.

Peter hat immer schon bestimmte Themen klar besetzt, aber ihm hing immer so ein bisschen das Image des Party-Präsidenten an, und ich würde auch nicht ausschließen, dass er seinen Teil dazu beigetragen hat, dass das so gesehen wurde. Aber man muss eben auch attestieren, dass er über die Jahre eine Ernsthaftigkeit in der Rolle als Präsident entwickelt hat, die in der gesellschaftlichen Tiefe in der Liga ihresgleichen sucht. Das wird in der Breite vom ganzen Klub getragen.

Was daraus erwächst? Also um den Punkt der politischen Partei aufzugreifen, glaube ich, sollte man immer auch bei seinen Leisten bleiben. Wir erreichen viele Menschen, wir setzen auch viele gesellschaftliche Akzente. Wenn sich die Eintracht aber parteipolitisch aufstellt, mit all den eigenen Kräften, Regeln und Mechanismen, würde dies möglicherweise negative Auswirkungen auf die gesellschaftliche Akzeptanz haben.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link