Die Präsentation eines Heilsbringers, der aus einem grün-schwarzen Nebel auf die Bühne tritt und eine blühende Zukunft verspricht, hatten die Verantwortlichen von Borussia Mönchengladbach nicht geplant für ihre Mitgliederversammlung. Ein paar Signale der Zuversicht an die gebeutelte Fohlengemeinde hätten ihnen auf der Veranstaltung am Montagabend schon gereicht.

Doch wie so oft während der vergangenen eineinhalb Jahre am Borussia-Park ist mal wieder ein Plan gescheitert: Lucien Favre will nicht Trainer von Borussia Mönchengladbach werden, berichtete Sportdirektor Roland Virkus den Mitgliedern und erklärte: „Sie können sicher sein, dass wir in den vergangenen beiden Wochen alles getan und viele Gespräche geführt haben“, doch „Lucien Favre hat gesagt: Er hat Borussia im Herzen. Aber er möchte nicht mehr in Deutschland arbeiten.“

Das ist ein Rückschlag. Weil diese Absage die Planungen für die kommende Saison erschwert. Und weil die Gladbacher immer deutlicher zu spüren bekommen, wie sehr dieser Klub, der noch vor eineinhalb Jahren in der Champions League spielte, an Anziehungskraft verliert.

Der Erfolgstrainer Marco Rose beschloss im Januar 2021, lieber Borussia Dortmund trainieren zu wollen, ein Jahr später verließ der völlig ausgelaugte Sportdirektor Max Eberl die Borussia. Immer wieder ist von Spielern zu hören, die gerne gehen wollen, und Rouven Schröder zog es im Januar vor, beim damaligen Zweitligaklub Schalke 04 zu bleiben, statt zur Borussia zu kommen. Nun hat auch noch Favre abgesagt. Jeder hatte seine Gründe, die oftmals nicht direkt mit dem Traditionsverein vom Niederrhein zu tun hatten, aber im Rückblick ist klar: Borussia Mönchengladbach ist von einem Klub mit der Hoffnung auf regelmäßige Champions-League-Teilnahmen zu einem Verein mit sehr ungewisser Zukunft geworden. Die Entwicklungen der vergangenen beiden Spielzeiten haben die Borussia „um fünf Jahre zurückgeworfen“, räumte Geschäftsführer Stephan Schippers ein – ein Vorgang, der bei genauer Betrachtung reichlich seltsam erscheint.

Mitgliederversammlung im Borussia-Park: Entwicklung um fünf Jahre zurückgeworfen


Mitgliederversammlung im Borussia-Park: Entwicklung um fünf Jahre zurückgeworfen
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Bild: Huebner

Denn Borussia Mönchengladbach ist ein Bundesligaunternehmen, in dem seit vielen Jahren sehr besonnen und vernünftig gewirtschaftet wird. Eigentlich wurde lange angenommen, dass genau solche Klubs am Ende der Pandemie besonders günstige Perspektiven haben würden. Und die Zahlen, die Schippers präsentierte, sehen auch ganz gut aus: Rund 100 Millionen Umsatz ging der Borussia während der Corona-Einschränkungen verloren, immerhin 70 Millionen davon konnten durch Einsparungen aufgefangen werden. Der Fehlbetrag von rund 31 Millionen Euro führte dazu, dass das Eigenkapital von gut 100 Millionen Euro auf 71 Millionen Euro sank.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link