Jens Scheuer, Trainer der Frauenfußballmannschaft des FC Bayern hatte eine Liste seiner Spielerinnen mitgebracht, in die Pressekonferenz am Tag vor dem Rückspiel im Viertelfinale der Champions League bei Paris Saint-Germain am Mittwochabend (21.00 Uhr bei DAZN). Die brauche er, „sonst vergesse ich vielleicht die eine oder andere“.

Gemeint waren diejenigen, die ausfallen werden. Doch wie das Leben so spielt, verhinderte die Gedankenstütze nicht, dass Scheuer tatsächlich eine Spielerin vergaß. Wobei Nachsicht angebracht ist, auch die zugeschalteten Journalisten hatten den Überblick in den vergangenen Tagen verloren.

Zwölf Spielerinnen fallen für das Spiel aus, die Bayern lassen also praktisch eine komplette Mannschaft zu Hause. Sieben davon haben sich mit Corona infiziert, darunter die wichtigen Akteurinnen Linda Dallmann, Sarah Zadrazil, Maximiliane Rall und Jovana Damnjanovic. Auch Viviane Asseyi wird in Paris wegen einer Gelbsperre fehlen. Drei langzeitverletzte Spielerinnen sind zudem noch außen vor. Und das Ersatztorhüterin Maria Luisa Grohs, die noch mit den Folgen ihrer Corona-Erkrankung zu tun hat, ebenfalls ausfällt, ging in der Pressekonferenz einfach unter.

„UEFA sagt, wir müssen antreten“

Nach Paris reiste ein stark geschrumpfter Kader. Es werden nur zwei Feldspielerinnen auf der Bayern-Bank sitzen, sehr wahrscheinlich Nachrückerinnen aus der zweiten Mannschaft. Dass die Bayern sich um eine Verlegung des Spiels bemühten, ist verständlich. Das sei für den europäischen Fußballverband aber keine Option gewesen. „Die UEFA sagt, wir müssen antreten“, sagte Scheuer und unterbrach sich dabei auszuführen, was das seiner Meinung nach mit dem Fair-Play-Gedanken mache. Dem erst im Februar modifizierten Reglement der Champions League ist zu entnehmen, dass am geplanten Termin gespielt werden muss, wenn mindestens 13 Spielerinnen darunter wenigstens eine Torhüterin verfügbar sind. Das kommt gerade so hin, ein weiterer positiver Test am Spieltag blieb aus.

„Es ist eine Katastrophe, dass das Virus uns gerade in den entscheidenden Wochen so heimsucht“, sagte Scheuer. Am Sonntag steht für seine Mannschaft das Bundesliga-Spitzenspiel bei Tabellenführer VfL Wolfsburg an (14.00 Uhr bei MagentaSport). An Wolfsburg will Scheuer aber noch keinen Gedanken verschwenden, schließlich geht es in Paris darum, dass der Traum vom Gewinn der Champions League am Leben bleibt. Es ist der Pokal, der in der Vitrine der Münchenerinnen noch fehlt, wer ihn gewinnen will muss die Besten schlagen.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link