Die Fußball-Bundesliga ist der wichtigste sportliche Wettbewerb in Deutschland. Sie sorgt dafür, dass wir schon als Kinder auf den Sportplatz wollen, wo wir dann nicht nur über das Spiel, sondern auch über das Leben lernen. Sie sorgt dafür, dass wir uns später als Erwachsene immer noch in dieses Spiel hineinsteigern – manchmal auch gemeinsam mit Menschen, mit denen wir darüber hinaus keine Gemeinsamkeiten mehr haben. Sie sorgt dafür, dass wir uns am Wochenende für mindestens 90 Minuten vom Wahnsinn der Welt ablenken dürfen. Sie sorgt sogar dafür, dass wir höchstwahrscheinlich den Smalltalk in der Warteschlange der Kantine souverän hinkriegen, wenn wir sagen: Mei, die Bayern schon wieder!

So oft wie die gute alte Bundesliga uns geholfen hat, sollten wir nun ihr helfen. Und sei es bloß aus Eigeninteresse. Denn der Wettbewerb, der für uns Fußballfans so wichtig ist, ist in seiner essentiellsten Entscheidung kein Wettbewerb mehr.

An diesem Samstag, dem 23. April 2022, hat der FC Bayern München, der Monopolist der Bundesliga, mit einem 3:1-Sieg gegen Borussia Dortmund die Meisterschaft wieder für sich entschieden. Wie 2013 (mit 25 Punkten Vorsprung) und 2014 (19) und 2015 (10) und 2016 (10) und 2017 (15) und 2018 (21) und 2019 (2; Niko-Kovač-Effekt) und 2020 (13) und 2021 (13). So sieht ein Jahrzehnt in der Bayern-Liga in Zahlen aus. Der Zahlenmann Christian Seifert, der als Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) von 2005 bis 2021 für die Vermarktung der Bundesliga verantwortlich war, sagte in einem „Spiegel“-Interview: „Wenn das in den nächsten Jahren so weiterginge, würde ich mir Gedanken machen.“ Das Interview ist im März 2014 erschienen.

Jetzt, acht Jahre später, da auf den Sportplätzen schon Kinder spielen, die nur einen Meister kennen, dürften sich sogar Fans aus München fragen: Wie oft wollen wir uns noch in diese Liga hineinsteigern? Wie oft wollen wir uns noch mit dieser Liga ablenken? Wie oft wollen wir noch sagen: Mei, die Bayern schon wieder?

Wir müssen und werden uns gleich weiterführende Gedanken machen – davor aber auch wenigstens für einen Augenblick den Hauptdarstellern applaudieren, die Historisches aufgeführt haben. Den Managern Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Den Trainern Jupp Heynckes, Pep Guardiola und Hansi Flick. Den Spielern Philipp Lahm, Thomas Müller und Manuel Neuer. Sie haben uns mit dem FC Bayern große Spiele geschenkt – und, auch wenn das sicher nicht ihre Absicht war, dem Spiel gleichzeitig Großes geraubt: die Spannung, die Ungewissheit, den Zufall.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link