Als Leon Goretzka den Ball mit dem rechten Fuß flankte, als Jamal Musiala den Ball mit der Stirn drückte, als 70.000 Menschen in der Arena in München den Ball anschauten und auch anschrien, konnte man ansatzweise ahnen, was Julian Nagelsmann sich ausgedacht hatte. In seinem wichtigsten Spiel als Fußballtrainer des FC Bayern hatte er Goretzka und Musiala, die deutschen Nationalspieler, von Anfang an aufgestellt. So wie im ersten Gruppenspiel der Champions League gegen den FC Barcelona. Das war im September.

Jetzt, sieben Monate später, konnte Geronimo Rulli, der Torhüter des FC Villarreal, den Kopfball von Musiala in der 29. Minute halten. Und obwohl die Gelegenheit eine gute war, musste Nagelsmann nach der ersten Halbzeit einsehen: Es war auch die einzige. Am Dienstagabend musste Nagelsmann mit seiner Mannschaft im Viertelfinale der Champions League einen 0:1-Rückstand aus dem Hinspiel aufholen.

Er stellte anders auf als in Villarreal, wo seine Elf so unterlegen war, dass sie mit zwei oder sogar drei Toren hätten verlieren können. Aus der Vierer- machte Nagelsmann nun eine Dreierkette – und ersetze den Linksverteidiger Alphonso Davies mit dem Mittelfeldspieler Musiala. Er wollte wohl die Mitte stärken. Dort, wo die wuchtigsten Mannschaften des Weltfußballs das Spiel dominieren. Doch die Dominanz der Bayern war eine Scheindominanz.

Eine Mannschaft ohne Wucht

Dann kam die 52. Minute. Ein schlechter Fehler von Dani Parejo. Ein Sprint von Kingsley Coman. Ein Tor von Robert Lewandowski. 1:0. Alles offen. Dann kam die 88. Minute. Ein guter Pass von Dani Parejo. Ein Sprint von Gerard Moreno. Ein Tor von Samu Chukwueze. 1:1. Alles vorbei. In seiner ersten Saison in München ist Julian Nagelsmann mit seiner Mannschaft im Viertelfinale der Champions League ausgeschieden – gegen den Siebten der spanischen Liga.

Was das über Gegenwart und Zukunft des größten deutschen Fußballvereins sagt, wird nun diskutiert werden. So viel stand aber schon sofort nach Abpfiff fest: In den wichtigsten Wochen der Saison waren die Bayern eine Mannschaft ohne Wucht. Klar, Villarreal ist nicht Salzburg, aber auch nicht Manchester City. Die Spanier wissen, was sie können und nicht können. Unter dem Trainer Unai Emery spielen so taktisch und technisch fast fehlerfrei. Das reichte, um die Bayern an ihre Grenzen zu bringen – auch wenn Villarreal dafür vielleicht auch die Grenzen des Fairplays (Zeitspiel!) ausdehnte.

Darüber können die Bayern aber kaum klagen. Sie scheiterten an sich selbst. In ihrer Drangphase in der zweiten Halbzeit verpassten sie zweimal das zweite Tor. In 50. Minute, als Dayot Upamecano den Ball aus zehn Metern übers Tor schoss. Und in der 71. Minute, als Thomas Müller den Ball aus fünf Metern neben das Tor köpfte. In der Schlussphase wechselte Julian Nagelsmann Serge Gnabry und Alphonso Davies und Unai Emery Samu Chukwueze ein. Dann kam die 88. Minute. Davies hob das Abseits auf. Chukwueze traf. Und setzte die Schlusspointe an einem Abend, an der man in München noch knabbern wird.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link