Aaron Ramsey nahm 117 Minuten lang nicht wirklich am Europa-League-Finale teil. Erst als das Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und den Glasgow Rangers auf das Elfmeterschießen zusteuerte, wechselte Trainer Giovanni van Bronckhorst ihn ein.

Der Auftrag war klar: Ramsey sollte als international erfahrener Spieler einen der Schüsse ausführen, die als letztes Mittel über Sieg und Niederlage entscheiden. Eine Verantwortung, um die sich weniger nervenstarke Spieler drücken.

Die ersten sechs Schützen trafen. Dann legte sich Ramsey den Ball auf den Elfmeterpunkt, machte ein paar Schritte rückwärts, atmete tief durch, lief an, schoss flach in die Mitte – und Eintracht-Torwart Kevin Trapp wehrte seinen Schuss mit dem Schienbein ab.

Bloß nicht hinsehen: Ramsey schleicht am Pokal vorbei.


Bloß nicht hinsehen: Ramsey schleicht am Pokal vorbei.
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Bild: Picture-Alliance

Es war dieser Fehlschuss, der die Rangers am Ende um den Triumph brachte. „Ramsey verurteilt die Rangers“, schrieb die italienische Zeitung „La Repubblica“. Im Verlauf des Abends versuchte Ramsey, sein Gesicht zu verbergen.

Ausgerechnet Ramsey. Seit Januar ist er von seinem Verein Juventus Turin an die Rangers ausgeliehen, weil er bei den Italienern nicht mehr gebraucht wurde. Auch in Schottland hat er seitdem kaum eine Rolle gespielt, obwohl er bei seiner Ankunft als Königstransfer bejubelt wurde.

Mit dem FC Arsenal, wo er die meiste Zeit seiner Karriere verbrachte, hat er drei Mal den FA Cup gewonnen – 2014 und 2017 schoss er im Endspiel jeweils das entscheidende Tor. Für das walisische Nationalteam hat Ramsey mehr als 70 Länderspiele absolviert; bei der Europameisterschaft 2016 drang Wales auch dank seiner Tore und Vorlagen ins Halbfinale vor.

Wegen seiner Spielstärke nennen ihn seine Fans „Welsh Wizard“, den walisischen Zauberer. Doch Verletzungen haben seine Karriere schwer belastet. Kritiker sagen, er habe sein volles Potential deshalb nie ausschöpfen können. Im Dezember wird Aaron Ramsey 32 Jahre alt. Wie und wo es mit seiner Karriere weitergeht, ist unklar.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link