Das Netz feiert Jake Daniels, den 17 Jahre alten Fußballprofi vom FC Blackpool, der sich diese Woche als homosexuell geoutet hat. Selbst Boris Johnson lobte ihn. Die Sache wird als Durchbruch gesehen, er sei ein Wegbereiter in die Freiheit.

Aber ist das so? Hat sich der Berufsfußball der Männer, sonst eher als Museum alter Rituale bekannt, von seinen traditionellen Hetero-Fesseln befreit? Nun gut: Klubs äußern sich liberal, Kapitänsbinden und Eckfahnen in Regenbogenfarben fallen heute gar nicht mehr auf. Und in Frankreichs Fußball gilt das Nichttragen eines Regenbogentrikots am Tag gegen Homophobie sogar als Fehlverhalten.

Aber: Der mutige Daniels ist erst der zweite unter den Zehntausenden aktueller Fußballprofis der Welt, der sich zu seiner Homosexualität bekannte. Er ist erst der zweite in der Geschichte des englischen Fußballs – der erste Fall liegt 30 Jahre zurück.

Die Hemmschwelle scheint also riesig zu sein. Selten ging die Schere zwischen Bekenntnissen und Wirklichkeit so weit auseinander wie bei diesem Thema. Und im Herbst geht es erst einmal zur WM nach Qatar, wo Homosexualität gesetzlich verboten ist.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link