Stefano Pioli ist für italienische Verhältnisse ein eher zurückhaltender Zeitgenosse. Es war deshalb der Rede wert, dass der Trainer des AC Mailand in den Schlussminuten des Spiels gegen Sassuolo Calcio im Mapei-Stadion von Reggio Emilia an der Seitenlinie zu tanzen begann und mit seinen Fingern eine Herzform bildete, wie es unter Jüngeren en vogue ist.

Der 56 Jahre alte Coach aus Parma konnte sich sicher sein, dass dem größten Erfolg seiner Trainerkarriere nun nichts mehr im Wege steht. Am Sonntagabend beim Stand von 3:0 war dem AC Mailand der 19. Meistertitel nicht mehr zu nehmen, der Stadtrivale Inter definitiv abgehängt. Elf Jahre nach dem letzten Scudetto für Milan, den Kevin-Prince Boateng (heute Hertha BSC) damals mit Michael Jacksons „Moonwalk“-Tanz im San-Siro-Stadion zelebrierte.

Welche Tänze die Mailänder Spieler bei der Feier am Montagabend zum Besten geben würden, stand bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht fest. Zuvor war vielmehr das Abhandenkommen einer Trophäe Thema. Die Tifosi in Reggio Emilia hatten den Platz gestürmt und dem Meister-Trainer die ihm soeben erst verliehene Medaille vom Hals gerissen. „Es war meine erste“, beklagte sich Stefano Pioli. „Ich bitte denjenigen, der sie mir weggenommen hat, sie zurückzugeben.“ Man weiß nun nicht, wie viel Nachsehen die Medaillendiebe mit dem Mann haben, dem sie einen Großteil des Erfolges verdanken.

Meistercoach Pioli hat eine bewegte Trainerkarriere ohne größere Erfolge hinter sich, er trainierte unter anderem Lazio Rom, Inter Mailand und den AC Florenz mit mäßigem Erfolg. Im Herbst 2019 engagierte ihn der AC Mailand und wollte ihn zum Saisonende schon wieder durch den heutigen österreichischen Nationaltrainer und damaligen Red-Bull-Fußballmanager Ralf Rangnick ersetzen.

Trainer Stefano Pioli: Seine Meistermedaille wurde ihm auf der Siegesfeier gestohlen


Trainer Stefano Pioli: Seine Meistermedaille wurde ihm auf der Siegesfeier gestohlen
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Bild: Reuters

Weil Pioli allerdings nach der Pandemie-Pause 2020 eine beeindruckende Serie mit zwölf Spielen ohne Niederlage hinlegte, blieb er im Amt. Paolo Maldini, Milan-Legende und Sportdirektor, fasste diesen mutigen Entschluss.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link