Gleiche Länder, andere Sitten. Die beiden englischen Schwergewichte des Fußballs gewannen am Dienstag ihre Hinspiele im Viertelfinale der Champions League. Manchester City besiegte Atlético Madrid im Heimspiel mit 1:0, der FC Liverpool setzte sich bei Benfica Lissabon mit 3:1 Toren durch. Doch während Jürgen Klopp beim Auswärtserfolg in Portugal sein strahlendes Lachen aufsetzte und sich über mehr als die halbe Miete für den Einzug ins Semifinale freute, ließ Pep Guardiola Dampf ab. Nach dem Siegtreffer schleuderte der Manchester-Trainer eine offene Wasserflasche durch die Luft.

Tobias Rabe

Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

Der Katalane zeigte beim Nervenspiel gegen die ewigen Quälgeister von Atlético Madrid Emotionen. Kein Wunder, schließlich geht es für City um viel. Endlich soll es klappen. Endlich soll der Henkelpott der Königsklasse in die Vitrine in Manchester gestellt werden. Trotz des Geldes aus Abu Dhabi hat das bisher nicht geklappt. Im vergangenen Mai war City nah dran. Doch dann hatte Guardiola vor dem Finale gegen Chelsea und Thomas Tuchel in einem besonderen Spiel mal wieder eine besondere Idee, die die Mannschaft ins Verderben stürzte. Ohne defensiven Mittelfeldspieler verlor Manchester 0:1.

Dieses Mal widerstand Guardiola seinem Impuls, eine Extravaganz einzubauen. Im traditionellen System bespielte Manchester City mit 71 Prozent Ballbesitz das Bollwerk aus Madrid. Das hielt zwar lange Zeit stand, offenbarte aber eine entscheidende Lücke. In der 70. Minute trag Kevin De Bruyne nach einem feinen Pass des gerade eingewechselten Phil Foden. „Das war eine perfekte Vorlage und der Abschluss von Kevin war brillant“, sagte Guardiola. Beim erleichterten Jubel an der Seitenlinie entleerte er seine Flasche in der Luft im eh schon regnerischen Manchester. Danach blieben weitere City-Chancen ungenutzt.

Minimalismus a la Simeone

So ist die Ausgangslage für das Rückspiel am kommenden Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN) gut, aber nicht sehr gut, zumal die besondere Wertigkeit von Auswärtstoren seit dieser Saison weggefallen ist. Es ist lediglich ein Treffer Vorsprung, mit dem der englische Meister in der kommenden Woche nach Spanien reist. Dann wird Atlético ein wenig mehr tun müssen als am Dienstag. Mit der gleichen Bilanz jedenfalls wird es nicht reichen zum Weiterkommen: keine Ecke, kein Torschuss, kein Tor. Aber Atlético ist bekannt für seinen Minimalismus a la Simeone.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link