Thomas Müller und Manuel Neuer haben mit einem 3:1 gegen den ewigen Zweiten aus Dortmund am Samstag ihre zehnte deutsche Meisterschaft nacheinander gewonnen, für ihren Trainer ist es der erste und sein bisher einziger Titel. Das ist ein Missverhältnis, das zwar nichts über die fachlich herausragenden Qualitäten des 34 Jahre alten Julian Nagelsmann aussagt, der nun nach Matthias Sammer der zweitjüngste Trainer in der Geschichte der Bundesliga ist, der eine deutsche Meisterschaft geholt hat.

Es macht aber eine Schwierigkeit deutlich, die auch mit Blick auf die nahe Zukunft nicht zu unterschätzen ist: Dass ein Trainer, der sich selbst erst noch beweisen will und muss, von seiner persönlichen Entwicklung und seiner menschlichen Reife bei aller fachlichen Expertise strukturell nicht die ideale Lösung ist für einen Klub, der seinem Selbstverständnis nach Titel genauso selbstverständlich produziert wie sein Erfinder Uli Hoeneß Würste.

Wer in einem Umfeld arbeitet, dass vor allem Titel verlangt, wird auch nur daran gemessen. Das aber begrenzt die Möglichkeiten des jungen Nagelsmann ebenso wie die nimmersatten Bayern. Jürgen Klopp hat unlängst, was sein Selbstverständnis angeht, den interessanten Satz gesagt, dass er nie das Ziel hatte, die beste Mannschaft der Welt zu trainieren, aber immer ein Team trainieren wollte, das in der Lage ist, die beste Mannschaft der Welt zu schlagen.

Tatsächlich hat es der zwanzig Jahre ältere Klopp, obwohl er alle Titel gewonnen hat, die es zu gewinnen gibt, selbst beim legendären FC Liverpool geschafft, sich und dem Klub noch immer ein bisschen von der Aura des Herausforderers zu bewahren. Auch Klopp ist brennend ehrgeizig, aber er hat dennoch das Kunststück geschafft, dass seine Arbeit tatsächlich nicht nur an Titel gemessen wird und sich auch nicht nur daran bemisst. Nagelsmann und die Bayern wirken in dieser Hinsicht ziemlich unbeweglich.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link