Nach dem Chaos beim Einlass vor dem Finale der Champions League in Paris verschärfen sich die gegenseitigen Schuldzuweisungen. Liverpools Bürgermeisterin kritisierte das Vorgehen der französischen Polizei mit Tränengas gegen britische Fans als „überaus widerlich“, Frankreichs Sportministerin sieht hingegen die Verantwortung vor allem bei Anhängern des FC Liverpool. Die Aufarbeitung der Vorfälle rund um den 1:0-Sieg von Real Madrid im Königsklassen-Endspiel dürfte noch einige Zeit in Anspruch nehmen, auch die Europäische Fußball-Union UEFA ist gefordert.

Der Verband gab am Montagabend bekannt, dass die Vorkommnisse rund um den Zuschauereinlass von einem externen Experten-Team aufgearbeitet werden. Die UEFA hat einen unabhängigen Bericht in Auftrag gegeben, der unter Leitung des ehemaligen portugiesischen Bildungs- und Sportministers Tiago Brandão Rodrigues erstellt wird. Nach Abschluss und Veröffentlichung des Berichts würden nächste Schritte bewertet, so die UEFA.

„Bei der umfassenden Überprüfung werden Entscheidungsfindung, Verantwortung und Verhalten aller am Finale beteiligten Stellen untersucht“, teilte der Verband mit. Um die Unabhängigkeit zu wahren, werde Brandão Rodrigues die Aufgabe unentgeltlich wahrnehmen.

Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin verteidigte derweil am Montag das Handeln der Polizei. „Die getroffenen Entscheidungen haben Tote verhindert“, sagte er nach Beratungen mit Sportministerin Amélie Oudéa-Castéra und weiteren Verantwortlichen. „Mit dem Aufheben der äußeren ersten Zugangskontrolle habe man verhindert, dass Menschen zerquetscht worden seien“, erklärte Darmanin.

Dagegen klagte Liverpools Bürgermeisterin Joanne Anderson, die selbst im Stade de France war, am Montag in der BBC, die Polizei sei „wirklich brutal“ vorgegangen. Zudem sei die Organisation des Fußballspiels „chaotisch“ gewesen. Die Liverpool-Anhänger müssten eine Entschuldigung erhalten. „Unsere Fans wurden in Bezug auf ihr Verhalten stereotypisiert. Ich werde immer wütender, je mehr Geschichten ich höre“, sagte Anderson. „Fans müssen mit mehr Respekt behandelt werden.“

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link