Eine Mannschaft, zwei Gesichter: Derartige Profilwechsel gehören zum Fußball. So konsequent und einseitig verteilt jedoch, wie der 1. FSV Mainz 05 am Sonntag zu Besuch bei Borussia Mönchengladbach seine eigenen Stärken in der ersten Halbzeit verleugnete und in der zweiten Hälfte ausspielte, offenbart eine Bundesliga-Mannschaft nur selten ihre Licht- und Schattenseiten.

Und da Vergleichbares auch auf die Elf vom Niederrhein zutraf, spielte und glänzte vor der Pause nur die Borussia mit ihrem zügigen Positionsspiel, das im Zeichen beschleunigter Passgenauigkeit auch zum 1:0 durch den Treffer des Schweizer Mittelstürmers Breel Embolo (33. Minute) führte. Als nach dem Wechsel nur noch die Mainzer mit ihrer physischen Präsenz, ihren zahlreichen Balleroberungen und ihrem druckvollen Spiel nach vorn dominierten, war der 1:1-Ausgleichstreffer durch Karim Onisiwo (73.) ein eher schmaler Ertrag ob weiterer bester Gelegenheiten.

Vor allem der eingewechselte Jonathan Burkardt riss immer wieder Löcher in die nun poröse Abwehr und scheiterte zweimal am fabelhaften Gladbacher Schlussmann Yann Sommer. Zunächst nach Barreiros Pfostentreffer, als er den abgeprallten Ball ins Tor befördern wollte und der Schweizer Schlussmann aus der Bodenlage auf magische Weise die rechte Hand hochriss, gegen die Burkardts Schuss prallte (48.), und schließlich mit einem Volleyschuss (89.), dem der 33 Jahre alte Sommer aufs Neue entgegenhechtete. Damit nicht genug, war er auch blitzartig wieder auf den Beinen und lenkte Lees anschließenden Kopfball gegen die Latte. Unglaubliche Taten eines Keepers, dem sein Trainer Adi Hütter „außerirdische Paraden“ attestierte.

Mainz hatte die zweite Hälfte mit einer radikal veränderten Einstellung und Herangehensweise derart deutlich bestimmt, dass aus einer Torschussquote von 2:12 vor der Pause am Ende ein 22:17 für die 05er wurde. Sportdirektor Martin Schmidt leitete aus dem wechselhaften Spielverlauf eine naheliegende Schlussfolgerung ab: „Dieses Zweite-Halbzeit-Gesicht muss mit nach Augsburg und Köln. Das brauchen wir, um einen Auswärtssieg zu holen.“ Den gab es in dieser Saison bisher nur gegen Hoffenheim und Bielefeld für die bei ihren Gastspielen drittschlechteste Bundesliga-Mannschaft, die daheim die viertbeste Bilanz vorweisen kann.

Um den Umschwung herbeizuführen, fanden die selbstkritischen Spieler zur Halbzeit die passenden lauten Worte und natürlich auch ihr stets anspruchsvoller Trainer Bo Svensson. „Die erste Halbzeit war gar nichts. Wenn du dich nicht traust, Fußball zu spielen, kriegst du Probleme. Wir waren zu passiv, zu unsauber, zu ängstlich, und Gladbach war klar besser“, lautete sein Resümee zum Auftritt seiner Spieler in den ersten 45 Minuten.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link