Es ist ein Bild, an das man sich erst noch gewöhnen muss – und an den Ton natürlich auch: Kein Giorgio Chiellini mehr, der bei der Hymne erst schwelgt und dann umso inbrünstiger den Vorsänger gibt, der langjährige Kapitän hatte sich in der vergangenen Woche aus der Squadra Azzurra verabschiedet, mit 37 Jahren.

Auch sonst sind die Italiener des aktuellen Jahrgangs noch nicht mit Geschichte und Geschichten beladen. Aber das machte sie nicht zu einem angenehmen Gegner für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Samstagabend in Bologna.

Kurzzeitig drohte sogar die erste Niederlage in der Dienstzeit von Bundestrainer Hansi Flick, als Lorenzo Pellegrini die Italiener in der 70. Minute in Führung gebracht hatte. Aber weil den Deutschen eine schnelle Antwort durch Joshua Kimmich gelang (73.), fand diese Partie keinen Sieger. Das 1:1 ging in Ordnung, große Fußballkunst war auf beiden Seiten nicht zu sehen in Bologna, eher die Kunst der wechselseitigen Verdichtung.

Rasen sorgt für Unterhaltung

Der beste Freund des Publikums war der Rasen, der manchen zum Ausrutschen und damit auch mal etwas Richtung Tor ins Rollen brachte. Aus deutscher Sicht, die ja bekanntlich auf einen WM-Erfolg gerichtet ist, war das am Ende doch ein bisschen wenig.

Und so erfreuten sich am Ende die nicht für Qatar qualifizierten Italiener an einem stimmungsvollen Abend im Stadio Renato dall’Ara, der in diesem offenen Rund etwas von der Leichtigkeit früherer Fußball-Tage atmete.

Man musste sich gar nicht anstrengen, um darin einen Kontrapunkt zum Brimborium zu sehen, das in deutschen Stadien gemacht wird, um die Stimmung anzuheizen, wenn „Die Mannschaft“ spielt.

Italien schwer auszurechnen

Am Dienstag (20.45 Uhr F.A.Z.-Liveticker zur Nations League und bei RTL) geht es in München weiter gegen England, das Team von Gareth Southgate startete am Samstag mit einem 0:1 in Ungarn in die Nationenliga. Flick wird sich bis dahin genau anschauen, wie seine Spieler in Schuss sind, der Samstag jedenfalls war schweißtreibend. Es war ein herrlicher Sommertag in Bologna, aber eben auch mit Temperaturen knapp über 30 Grad und dabei ziemlich feucht.

Der Bundestrainer hatte am Tag vor dem Spiel selbst gesagt, dass er nicht genau wisse, wen man in den blauen Trikots zu sehen bekommen werde. Aus der Mannschaft, die zuletzt die „Finalissima“, das Duell des Europameisters mit dem Südamerikameister, 0:3 gegen Argentinien verloren hatte, stand dann tatsächlich allein Torwart Donnarumma wieder in der Startelf.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link