Ende der 1980er-Jahre galt Darko Pancev als einer der torgefährlichsten Stürmer im europäischen Fußball. Nach dem Zerfall Jugoslawiens folgten für ihn Stationen bei Inter Mailand, VfB Leipzig, Fortuna Düsseldorf und dem FC Sion. Heute ist der 56 Jahre alte Nordmazedonier Gastronom in seiner Heimatstadt Skopje, wo er zwischenzeitlich auch als Technischer Direktor bei seinem Jugendverein Vardar fungierte.

Darko Pancev (links) mit Michel Platini bei einer Ehrung im Jahr 2006.


Darko Pancev (links) mit Michel Platini bei einer Ehrung im Jahr 2006.
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Bild: picture-alliance/ dpa

Die Reprezentazija sorgte mit ihrem sensationellen 1:0-Sieg in Italien für Furore. Ist anschließend in Ihrem Café-Re­staurant reichlich Mastika-Schnaps geflossen?

Die Leute sind mit Nationalflaggen auf die Straßen gegangen und ließen ihrer Freude freien Lauf. Es kommt auch nicht oft vor, dass man den amtierenden Europameister und viermaligen Weltmeister um eine WM-Teilnahme bringt, und das noch, obwohl die Squadra Azzurra vor heimischer Kulisse spielte.

Vor einem Jahr hat die nordmazedonische Auswahl Deutschland in der WM-Qualifikationsrunde 2:1 geschlagen, nun der Erfolg gegen Italien. Das kann doch kein Zufall sein, oder?

Man kann die beiden Partien nicht miteinander vergleichen. Das Deutschland-Spiel war im Rahmen einer Qualifikationsrunde vor einer Geisterkulisse, während der Sieg gegen Italien in einem Play-off-Halbfinale errungen wurde. Fakt ist jedoch, dass diese Erfolge eine Trendwende in der Geschichte des nordmazedonischen Fußballs markieren, vor allem da wir bis dato nichts Entsprechendes vorzuweisen hatten, außer einem eher ernüchternden Auftritt bei der Europameisterschaft im letzten Sommer.

Der Fußball hat am Donnerstag den Italienern sein grausames Gesicht gezeigt: Während sie auf 32 Torabschlüsse kamen, brachte das Team von Blagoja Milevski lediglich vier Abschlüsse zustande, ohne einen einzigen Eckball ausgeführt zu haben. Meinte es der Fußballgott etwa zu gut mit Nordmazedonien?

Zum Glück ist Fußball nicht immer Mathematik und schreibt seit Jahrzehnten die verrücktesten Geschichten, weswegen er auch so eine gewaltige Anziehungskraft hat. Natürlich war Italien das klar dominierende Team mit den meisten Spielanteilen. Es hat uns quasi überrollt, ohne jedoch zum Sieg zu gelangen. Man darf hier die Einstellung und die kollektive Aufopferungsbereitschaft unserer Mannschaft nicht außer Acht lassen. Sie hat die Italiener regelrecht zur Verzweiflung getrieben.

Jahrelang war Rekordnationalspieler Goran Pandev der Eckpfeiler der nordmazedonischen Auswahl. Kann es sein, dass sein Karriereende positive Nebeneffekte in den Reihen der Nationalmannschaft ausgelöst hat?

Die Verdienste von Goran Pandev für den nordmazedonischen Fußball sind unumstritten. Man darf nicht vergessen, dass er uns mit seinem Treffer im Play-off Spiel gegen Georgien zur Europameisterschaft geschossen hat. Allerdings haben wir einmal mit ihm in der Startaufstellung auch gegen Andorra verloren. Ich habe aber entnommen, dass nach seinem Abgang Spieler wie Elmas, Bardhi oder Ademi sich noch mehr entfalten können, was sehr förderlich für das Mannschaftsbild ist.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link