Es war eine Viertelstunde gespielt, und Frühlingsgefühle kamen in der kühlen Fußball-Arena im Frankfurter Stadtwald wirklich nicht auf. Dennoch zog Oliver Glasner seine Jacke aus, brachte sie ordentlich zur Bank zurück und trieb fortan seine Mannschaft in einem für die Außentemperaturen luftig anmutenden Sweatshirt an. Der Trainer der Eintracht geriet schnell auf Betriebstemperatur. Er nutzte seine Coachingzone in vollem Umfang, war meist in Bewegung, dirigierte mit den Armen durch die Luft, um den Spielern Laufwege aufzuzeigen, holte Filip Kostic zur Taktikbesprechung heran, drückte nach dem Gegentreffer der Freiburger die Brust nach oben, um zu symbolisieren, dass sie trotzdem mit Courage weitermachen sollten.

Sein unermüdlicher Einsatz an der Seitenlinie ist typisch für ihn. Der 47-Jährige, der selbst ehedem ein respektabler Kicker war, würde noch heute am liebsten selbst zur Tat schreiten, wenn es die Aufgabe erfordert. So besonnen er über die Dinge spricht, wenn sie in Aussicht stehen oder vollbracht sind, so impulsiv lebt er während des Geschehens seine Rolle als strategischer Kopf eines Teams aus, mit dem er nun einen Erfolg anstrebt, der dann, wenn er tatsächlich gelänge, in der Vereinschronik einen Ehrenplatz erhalten würde: Glasner und die Eintracht wollen das nächste Kapitel Europapokalgeschichte schreiben. Sie möchten aus dem Viertelfinal-Duell mit dem FC Barcelona an diesem Donnerstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League und bei RTL) als strahlender Sieger hervorgehen. Eine Hürde, die kaum höher sein könnte.

Die Generalprobe für die Begegnung, die für alle Frankfurter Protagonisten ein Karriere-Highlight darstellt, ging trotz allen Zutuns des Trainers schief. Mit 1:2 unterlagen die Hessen dem Sportclub und verloren damit im Kampf um die internationalen Plätze an Boden. Ausgeschlossen ist es nicht, dass sie im Schlussspurt noch rechtzeitig zur Aufholjagd ansetzen. Um tatsächlich auch nach der Sommerpause über die Landesgrenzen hinaus im Einsatz sein zu können, bietet sich aber ja noch die weitere (allerdings ausgesprochen komplizierte) Zusatzmöglichkeit Camp Nou.

Um sie zu realisieren, müssen sich die Frankfurter zunächst an diesem Donnerstag im Camp Nou durchsetzen; danach den Gewinner der Begegnung zwischen West Ham United und Olympique Lyon ausschalten und schließlich im Europa-League-Endspiel am 18. Mai in Sevilla triumphieren – dann wären sie sogar für die Königsklasse qualifiziert. Zu dieser Vorstellung gehört, kurz vor Ostern, viel Fantasie. Glasner bringt sie mit.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link