Manchmal ist der Fußball doch gerecht. Dass ausgerechnet Rafael Borré die Frankfurter Eintracht im Endspiel von Sevilla gegen die Glasgow Rangers zum Triumph in der Europa League und zur Teilnahme an der Champions League geschossen hat, bringt dem 26 Jahre alten Kolumbianer endlich die Aufmerksamkeit und Anerkennung, die ihm seit seiner Ankunft am Main im vergangenen Sommer gebührt.

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Seit seinem Treffer zum 1:1, der die Eintracht zurück ins (End-)Spiel brachte, und seinem entscheidenden Elfmeterschuss zum Titel hat die Geschichte ihr notwendiges Happy-End, um sie als Märchen zu erzählen, das den Kindern als Vorbild für ihr eigenes Leben dienen kann: „Es war einmal ein kleiner Fußballstürmer, der aus Südamerika nach Frankfurt gelockt wurde, um viele Tore zu schießen.

Doch so sehr er sich auch anstrengte, es mochte ihm nicht glücken. In einer fremden Umgebung, mit Menschen, die ihn in einer fremden Sprache anredeten, mit Kollegen, die anders Fußball spielten, als er es gewohnt war und einem neuen Boss, der auf andere Dinge Wert legte als sein alter, fiel es ihm schwer sich zurechtzufinden. Aber der kleine Mann gab nicht auf. Er ging auf alle zu, versuchte sie zu verstehen und sich verständlich zu machen, und tat alles, um ihnen zu gefallen – auch ohne Tore zu schießen.

Geplatzter Knoten

Und siehe da – er erwarb sich den Respekt der Mannschaft von Woche zu Woche mehr, weil er gegen 20 Zentimeter längere Verteidiger in Kopfball-Duelle ging, weil er den Gegenspielern 90 Minuten lang auch in aussichtslosen Situationen hinterherlief, weil er Fehler seiner Kollegen ausbügelte und sie auch sonst immer unterstützte. Deshalb durfte er immer mitspielen, obwohl ihn viele Fans für ein Missverständnis auf zwei Beinen hielten, weil sie meinten, er müsste den nach Leipzig abgewanderten Eintracht-Rekordtorschützen Andrè Silva ersetzen.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link