Wenn man in einem Spiel so das Heft aus der Hand gibt wie die Spieler von Real Madrid im Rückspiel gegen den FC Chelsea, zehn Minuten vor Schluss 0:3 hinten liegt und so gut wie ausgeschieden ist, und dann doch noch weiterkommt – dann mag die naheliegendste Erklärung im Übernatürlichen liegen. So ist es jedenfalls in der spanischen Hauptstadt nach dem Weiterkommen von Real gegen den FC Chelsea mit einem 2:3 nach Verlängerung.

Von der „Magie des Bernabéu-Stadions“ sprachen viele nach dem Einzug von Real Madrid ins Halbfinale der Champions League. Trainer Carlo Ancelotti bezeichnete sie als spielentscheidend, Luka Modric und Altstar Emilio Buitragueño, von 1982 bis 1995 Mittelstürmer bei Real, schwärmten davon. Der spanische Kulturjournalist Manuel Jabois schrieb einen Tag nach der 2:3 Niederlage gegen Chelsea in „El País“ sogar von „Houdini Bernabéu“, vom Zauber des Stadions, welcher der Heimmannschaft übernatürliche Kräfte verleiht und dem schon als Sieger feststehenden Gegner die Knie schlottern lässt. Im Achtelfinale gegen Paris war es ähnlich. 0:1 hatte Real das Hinspiel verloren, Mbappé schien in Madrid dann Real aus dem Wettbewerb geschossen zu haben. Darauf folgten drei Treffer Benzemas, an die wohl nur noch die Verrückten im Bernabéu geglaubt hatten.

Die Trainer glauben nicht nur an den Heimvorteil

Thomas Tuchel sah in der Pressekonferenz nach dem Spiel hingegen keine Hexerei hinter dem eigenen Misserfolg. Der Chelsea-Trainer fand, es sei eine der Niederlagen, bei der die Spieler trotzdem stolz auf die gezeigte Leistung sein könnten. Sie hätten seinen Plan fast vollständig umgesetzt. Bis auf ein paar Fehler, die zu den wenigen Möglichkeiten führten, die Real Madrid ausnutzte.

Modric und Benzema hätten nicht viele Chancen gehabt, aber sie hätten das Spiel entschieden. „So müssen wir es künftig auch machen“, sagte der deutsche Coach. Madrid habe seine individuelle Klasse ausgespielt, wie zum Beispiel beim scheinbar mühelosen Schlenzer von Modric über 30 Meter in den Lauf des eingewechselten Rodrygo, der zum 1:3 vollendete und damit in der 79. Minute seinem Verein die Verlängerung sicherte.

Carlo Ancelotti fand für den Erfolg seines Teams neben dem Heimvorteil noch andere Gründe, zum Beispiel in der mentalen Vorbereitung. Die Mannschaft sei nach dem 3:1-Vorsprung aus dem Hinspiel nicht gerade mit Torhunger in die Partie gegangen, übte der Italiener Selbstkritik. Das dritte Gegentor sei wie ein befreiender Weckruf gewesen. Zudem lobte er die Einwechselspieler. So nahm Ancelotti Toni Kroos vom Feld, für ihn brachte er Camavinga, später ging Casemiro für Rodrygo. Es war die dritte Auswechslung des Deutschen in der Champions League nacheinander, stets kam für ihn der 19 Jahre alte, in Angola geborene Franzose. Erstmals sah man Kroos bei einer Auswechslung ausgesprochen verärgert, doch der Erfolg gibt Ancelotti recht. Camavinga eroberte vor dem 2:3 durch Benzema einen Ball mit Mittelfeld und schlug den entscheidenden Pass auf Vinicius, Rodrygo erzielte selbst ein Tor.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link