Diverse Fetzen vom Tornetz, verschieden große Stücke Rasen mit Erdreich, ein einzelner Aluminium-Pfosten: Die Bandbreite der Souvenirs, die am Samstagabend beim großen Fanmarsch durch die Essener Innenstadt zur Rüttenscheider Ausgehmeile zum Vorschein kamen, war schon enorm.

Mancher Anhänger von Rot Weiss schien das Stadion seines Vereins an der Hafenstraße mit einem 3-D-Puzzle verwechselt zu haben, das man nach Belieben dekonstruieren kann. Der deutliche Apell von Klubchef Marcus Uhlig, die Spielstätte nach dem letzten, entscheidenden Saisonspiel gegen Rot-Weiß Ahlen (2:0) weder zu betreten noch zu zerrupfen, hatte die überschwänglichsten unter knapp 17.000 Zuschauern jedenfalls nicht erreicht.

Weshalb den Frauen der SGS Essen zum Sonntag nichts anderes übrig blieb, als ihr letztes Bundesliga-Match gegen Carl-Zeiss Jena auf einen anderen Platz zu verlegen.

Es brodelte seit Jahren

Der Übergang von Jubel in fröhlichen Vandalismus ist in diesen Tagen, wo so viele Titel und Aufstiege vergeben werden, an manchem Standort fließend. In diesem speziellen Fall aber war das Scheitern gut gemeinter Einbremsversuche vorauszusehen.

Unter dem Deckel des Traditionsvereins aus dem Herzen des Reviers brodelte es schließlich schon seit Jahren. Hier konnte es eine leidenschaftliche Anhängerschaft zuletzt kaum noch ertragen, in den Niederungen fußballerischer Viertklassigkeit gefangen zu sein.

Die elf Jahre in der Regionalliga West schienen ihr wie allen Akteuren in dem 1909 (als SV Vogelheim) gegründeten Klub so mächtig an Armen und Beinen zu kleben, dass der Aufenthalt darin sich schon wie eine ewige Prüfung anfühlte – jeweils kurz von neuer Hoffnung unterbrochen, die sich allzu schnell wieder zerschlug.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link