Emir Karic schwirrte der Kopf. Der Österreicher gehört zu jener Sorte Fußballspieler, die sich bis zum letzten Pfiff auf dem Platz verausgaben – da kann man schon mal den Überblick verlieren. Jedenfalls sangen die „Lilien“-Fans aus voller Kraft, die Atmosphäre im ausverkauften Stadion am Böllenfalltor war famos am Sonntagnachmittag. Das Publikum übertönte sogar den Stadionsprecher, der die Ergebnisse von den anderen Plätzen vortrug. Da wendete sich Karic an Torsten Lieberknecht. Erst als der ihm bestätigte: Ja, wir sind nicht aufgestiegen und nicht mal in der Relegation, sank der Österreicher matt und traurig auf den Rasen.

Lieberknecht musste es ja wissen, der Cheftrainer hatte in diesem dramatischen Zweitliga-Saisonfinale einiges richtig vorhergesagt. Zum Beispiel, dass der Hamburger SV unter die ersten drei kommen wird, als dieser von vielen längst abgeschrieben war. Oder dass der SVD sich nicht wird abschütteln lassen von der großkalibrigen Konkurrenz. Im Sommer 2021, bei seiner Vorstellung als neuer Cheftrainer, saß Lieberknecht erstmals auf dem Podium bei den „Lilien“. Dem Klub waren kurz davor ein paar seiner besten Spieler und der Cheftrainer (Markus Anfang) abgeworben worden. Da schien Lieberknechts Zielvorgabe, einen einstelligen Tabellenplatz erreichen zu wollen, ambitioniert.

Nur einen dieser einstelligen Plätze, schob Lieberknecht damals noch nach, wolle er vermeiden: den vierten, den so undankbaren Rang. Doch genau so kam es. Die „Lilien“ hatten abermals in einem Heimspiel ihr Publikum begeistert und den SC Paderborn 3:0 besiegt, doch die Konkurrenten Werder Bremen und Hamburger SV behielten im Fernduell ihrerseits die Nerven.

Bei Darmstadt flossen auch Tränen

So mancher hartgesottener Darmstädter Profi ließ, als der große Traum geplatzt war, den Tränen freien Lauf. „Das zeigt mir“, sagte Lieberknecht, „dass die Jungs mit Seele und tiefer Leidenschaft Fußball spielen. Dass sie leben für ihre Passion Fußball.“ Nebenan, im Treppenhaus des Funktionsgebäudes, braucht in diesen Tagen kein Künstler anzurücken. An den Wänden dort finden sich die Wegmarken und Meilensteine der Vereinsgeschichte verewigt. Doch die starke Saison 2021/22, in der die Südhessen 16 Spieltage auf einem der ersten drei Ränge platziert waren, hat am Ende keine frischen Meriten erbracht.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link