Als sie damals in die Bundesliga einzogen, haben sie bei den „Lilien“ an der eigenen Legende ganz schön mitgestrickt. Von den holprigen Trainingsplätzen, den angeblich kalten Duschen bis zu den Vätern von Chefcoach Schuster und Ko-Trainer Franz, die sich als Scouts verdingten, ging die Underdog-Story. Schuster konnte nicht oft genug wiederholen, dass das Einzige, was man tun könne, sei, „die Großen ein bisschen zu ärgern“.

Präsident Rüdiger Fritsch entwarf zur Freude der Medien immer neue Bilder, um die Sensation – Darmstadt 98 in der ersten Liga – zu illustrieren. Vom kleinsten Fisch im Teich, der kleinsten Wurst auf dem Tisch, der kleinsten Geige im Konzert war da die Rede und vom Klapprad, das sich zur Tour de France verirrt habe. Die Saison 2015/16 endete im Triumph – Verbleib erster Klasse.

Wenn sich der SV  98 nun wieder aufmacht, den Aufstieg in die Beletage zu schaffen, dann „ist dies nicht zu vergleichen mit 2015“, sagt Sportdirektor Carsten Wehlmann. Die damaligen Geschichten von Wucht und Wille und dem bröckelnden Böllenfalltorstadion als Fußball-Freilichtmuseum kennt der Norddeutsche nur vom Hörensagen. „Damals herrschten von Infrastruktur, Mitarbeiteranzahl und Kaderstruktur völlig andere Voraussetzungen“, so Wehlmann. Sollten die „Lilien“ Mitte Mai abermals aufsteigen, dann käme ein innerhalb von sieben Jahren runderneuerter Klub in die Bundesliga.

Zwar mit einem Stadion, an dem bis in den Herbst hinein noch an der neuen Haupttribüne gebaut wird. Aber dann mit einer modernen, schmucken Heimstatt im Vereinseigentum, welche den Aufschwung und die wirtschaftliche Prosperität adäquat rahmen würde. Die Vermietung der Logen (20) und Business-Seats (900), die Vermarktung des Stadion-Namens und die dann zu zahlenden Erstligatarife der Sponsoren – finanziell betrachtet, kommt ein Aufstieg nie zum falschen Zeitpunkt. Von der Erhöhung der Fernseheinnahmen von aktuell in der zweiten Liga etwa zwölf Millionen Euro auf mehr als 30 Millionen ganz zu schweigen.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link