Der Darmstädter Bundesligaaufstieg 2015 hatte etwas Märchenhaftes, wirkte wie wahrgewordene Utopie. Ein aus vielen Drittligakickern bestehendes Kollektiv, darin so mancher fußballerischer Raufbold, setzte zum Durchmarsch an. Vorne halfen Standardsituationen und nicht selten der Zufall, hinten ein Bollwerk vom Böllenfalltor.

Ein Darmstädter Bundesligaaufstieg 2022 hätte auch etwas Märchenhaftes, weil ebenfalls gegen jede Wahrscheinlichkeit zustande gekommen. Eine mit durchschnittlichem Zweitligabudget zusammengestellte Mannschaft aus Zweitligakickern, die gemeinsam zu erstklassigen Leistungen imstande ist, setzt zum großen Sprung an. Natürlich sind Tore aus Standardsituationen wieder eine „Lilien“-Spezialität. Aber technisch, taktisch und spielerisch bietet dieser Jahrgang einen ganz anderen, weitaus besseren Fußball an.

Vielleicht nicht so unverwechselbar wie damals, aber das Märchenbuch 2014/15 ist eh schon lange zugeklappt, wie die SVD-Verantwortlichen gerne betonen. Unabhängig davon, dass das 1:1 gegen Sandhausen ein Dämpfer war: Wer nach 26 Spieltagen 48 Punkte gesammelt hat und auf Tabellenplatz eins steht, ist ein gewichtiger Faktor im Aufstiegsrennen. Wer in der vermeintlich besten zweiten Liga aller Zeiten die meisten Tore schießt und mit die wenigsten kassiert und von den vergangenen 18 Partien nun zwei verloren hat, ist gefestigt und stabil.

2015 wirkte es ermüdend und ziemlich provinziell, als bei den „Lilien“ die Aufstiegschance noch immer geleugnet wurde, als man schon auf einem Aufstiegsrang stand. Aktuell macht Cheftrainer Torsten Lieberknecht es ganz geschickt, indem er Ambitionen formuliert, ohne Erwartungen zu befeuern. Indem er Seriosität und Lockerheit authentisch kombiniert und verkörpert. Der sportliche Architekt des Darmstädter Aufschwungs vermeidet das Wort Aufstieg, indem er es ersetzt mit „bei der Musik bleiben“.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link