Der schrille Trillerpfeifenlärm der Mönchengladbacher Ultras während der ersten 19 Minuten ging den Spielern des am Niederrhein besonders unbeliebten Klubs RB Leipzig auf den Geist. Was da aus der Nordkurve des Borussia-Parks zu hören und zu sehen war, etwa ein Transparent mit der Aufschrift „Keine Akzeptanz für RB, Montagsspiele und Polizeiwillkür“, spiegelte nur einen provokanten Randaspekt des Bundesligaduells zwischen der in dieser Saison meist ziemlich mittelmäßigen und fehlerhaften Mönchengladbacher Borussia und ihrem zuletzt vor Vitalität strotzenden Gegner.

Diesmal war alles anders: Die Borussia war nicht einmal durch den Platzverweis ihres Innenverteidigers Elvedi nach einer Notbremse gegen den Leipziger Stürmerstar Nkunku (64.) aufzuhalten. Sie stockte sogar ihren bis dahin mit viel Arbeit und einer Prise Spielkunst erkämpften 2:1-Vorsprung durch die Treffer von Embolo (17.) und Hofmann (45.+2) bei einem Gegentor von Nkunku (36.) nach einem Konter durch Hofmanns zweites Erfolgserlebnis (77.) auf 3:1 auf. Damit war Leipzig geschlagen und niedergeschlagen zugleich, da RB nach dem Rutsch von Rang vier auf Platz fünf zwei Spieltage vor dem Bundesliga-Saisonende um das Klassenziel bangt.

Die dauerbeschäftigten Sachsen, nach ihrem 1:0-Hinspielsieg über die Glasgow Rangers an diesem Donnerstag aufs Neue gefordert im Halbfinal-Rückspiel im Ibrox-Park, sind nicht nur auf das Erreichen des Europa-League-Endspiels am 18. Mai und das am 21. Mai zwischen RB und dem neuen Ligavierten SC Freiburg ausgespielte DFB-Pokalfinale fixiert, sondern vor allem auf eine weitere Champions-League-Saison. Sollte man zumindest meinen.

Am Montag in Mönchengladbach jedoch war nicht nur der stets ambitionierte RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff „total enttäuscht“. Auch Trainer Domenico Tedesco muss in der Liga nach konstant erfolgreichen Monaten unter seiner Regie mit unerwarteten Rückschlägen umzugehen lernen. „Wir haben eine ganz schlechte erste Halbzeit gespielt, in der wir vieles haben vermissen lassen, was du brauchst, um so ein Spiel zu gewinnen“, sagte er. „Intensität, Körperlichkeit, denn die Basis sind nun mal solche Sachen.“ Was für ihn daraus folgte, sagte er unverblümt: „Dann kannst du die Taktiktafel nehmen und in den Mülleimer schmeißen.“

Tedescos dauerbeschäftigte Profis wirkten beim Tabellenzehnten überspielt und ideenarm. Bezeichnend war die mit groben Fouls in der ersten Halbzeit unzulässig kompensierte fehlende Handlungsschnelligkeit der Innenverteidiger Gvardiol und Simakan, die per Gelber Karte bestraft wurde. Dass RB auch in der besseren zweiten Hälfte zu spät bis gar nicht reagierte, als die dezimierte Borussia den entscheidenden Konter setzte, passte ins Bild.

„Wir haben zuletzt ein paar Geschenke zu viel gemacht“, klagte ihr Trainer leise, „es war einfach zu billig, uns auszuhebeln.“ Seinen Frust lebte Tedesco lauter aus, so dass Schiedsrichter Petersen auch ihm die Gelbe Karte vor Augen hielt (45.+3). Sie passte ins Bild eines gebrauchten Fußballabends kurz vor den ersehnten nationalen wie internationalen Fußballfeiertagen für diesen Klub der hohen Ambitionen.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link