In den fast 14 Jahren, in denen er als Fußballprofi für den FC Bayern München spielt, hat Thomas Müller stets Widersprüche aufgelöst. Er kenne, so sagte er es schon 2010 in der „tz“, „keinen Spieler, der ähnlich komisch spielt wie ich“ – und spielte mit dieser Art dann Saison für Saison so gut, dass er nicht nur einmal Weltmeister und zweimal Champions-League-Sieger geworden ist, sondern auch Rekordmann in der Bundesliga. So oft wie er hat kein anderer Spieler den wichtigsten sportlichen Wettbewerb in Deutschland gewonnen. Elfmal – in nur 14 Jahren.

Jetzt, da Müller sich in München für ein 15. und auch 16. Jahr verpflichtet hat, muss er mit seinem Verein aber den wahrscheinlich größten Widerspruch in der gemeinsamen Ära auflösen.

Entscheidend für das Spiel gegen den Ball

Am Dienstag hat der FC Bayern verkündet, dass er den Vertrag mit Müller, 32 Jahre alt, vorzeitig um ein Jahr bis zum Sommer 2024 verlängert hat. Das kostet den Klub viel Geld (angeblich mehr als 20 Millionen Euro pro Jahr). Dafür hat er für zwei Jahre – ein Zeitraum, in dem das Risiko eines starken sportlichen Leistungsabfalls überschaubar ist – einen Spieler, der immer noch entscheidenden Einfluss auf das Spiel mit und vor allem gegen den Ball hat. Einen Spieler, der wie kein anderer für das Folkloristische dieses Vereins steht, für das Mia-san-Mia, das Bayern-Gen. Einen Spieler also, den Oliver Kahn, der Vorstandsvorsitzende, für einen wichtigen Faktor in der Gleichung hält.

Vor dem dritten Corona-Sommer stehen Kahn und seine Mitstreiter in München vor einem großen Widerspruch. Sie wollen – auch wegen den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie – weniger Geld ausgeben als die Klubs aus Liverpool, London, Madrid, Manchester und Paris. Und in der Champions League dennoch weiter kommen. „Man kann sich den Champions-League-Titel ohnehin nicht kaufen, das hat bisher noch nicht funktioniert“, sagte Kahn kürzlich der F.A.S.

„Man braucht auch eine besondere Klubkultur, die bei uns von Generation zu Generation weitergetragen wird. Das ist ein wichtiger Faktor, den man in die Gleichung aufnehmen muss.“ Für den Faktor steht Thomas Müller. So wie Manuel Neuer und Robert Lewandowski, mit denen der Verein auch die Verträge verlängern will, aber noch nicht hat.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link