In den Schlussminuten in Düsseldorf ist Marcel Schuhen nur noch über den Rasen gesprintet. Vorne, hinten, links, rechts – als Torwart wohlgemerkt. Unter dem Gejohle des Publikums hob er mit beiden Händen den schmerzgeplagt am Boden liegenden Kollegen Mathias Honsak auf und schob den Verdutzten gen gegnerischen Strafraum. Alles geben, alles nach vorne, sollte das heißen in seiner zupackenden Art.

Doch aller mit Haut und Haaren gelebter Ansporn des Schlussmanns sollte nichts mehr einbringen. Die 1:2-Niederlage bei der Fortuna hat die „Lilien“ im Aufstiegsrennen von der Pole Position gepflückt und auf die Rolle des ersten Verfolgers zurückgeworfen. Vor dem spannungsgeladenen letzten Spieltag an diesem Sonntag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur 2. Bundesliga und bei Sky) sind die „Lilien“ nicht nur auf das eigene Ergebnis im Heimspiel gegen Paderborn, sondern auch auf Ausrutscher der norddeutschen Konkurrenten Werder oder HSV angewiesen. Aufstiegsplatz zwei, Relegationsrang drei oder der undankbare vierte Platz sind noch möglich.

Wie man Marcel Schuhen dieser Tage ärgern kann? „Jedes Mal, wenn ich höre, dass wir eine gute Saison gespielt haben, kriege ich das Kotzen – wenn ich das mal so offen sagen darf“, sagt der 29-Jährige in seiner bewährten Art, die Klartext jeder Binsenweisheit vorzieht. „Wir spielen noch ein Spiel, wir können noch etwas erreichen. Die Stimmung wird unglaublich sein, weil jeder weiß, wo es hingehen kann.“

Schuhen fängt seit Sommer 2019 Bälle am Böllenfalltor. Nach einigen Rückschlägen zu Beginn hat er sich – auch aufgrund der fruchtbaren Zusammenarbeit mit Torwarttrainer Dimo Wache – zu einem verlässlichen Rückhalt entwickelt. Patzer, zumal spielentscheidende oder Punkte kostende, hat er sich nicht geleistet in dieser Runde. Darüber hinaus hat er noch eine wichtige Funktion im Team inne. Die des Aufrüttlers, Einpeitschers, ja des „Emotional Leader“.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link