Sie waren ihrem Ziel schon so nah. „Störte uns etwa der Regen?“, fragte Oleksandr Sintschenko, der Mittelfeldspieler der ukrainischen Nationalmannschaft, im Anschluss an die 0:1-Niederlage gegen Wales im finalen Play-off-Spiel – und gab selbst die Antwort: „Nein, das Wetter war für beide Mannschaften das gleiche. Ich kann nicht sagen, dass wir Wales taktisch oder technisch unterlegen sind.“

Tatsächlich war die Ukraine während der Partie in Cardiff in vielen Phasen die bessere Mannschaft, hatte mehr Torchancen. Doch ausgerechnet ein Treffer von Kapitän Andrij Jarmolenko beendete den ukrainischen Traum, bei der Weltmeisterschaft in Qatar antreten zu können. In der 34. machte Jarmolenko ein Eigentor.

„Ich hätte nie gedacht, dass Fußball weh tun könnte“, schrieb Jarmolenko später auf Instagram. „Eine Zeit der Tränen und des unerfüllten Traums. Wir wollten, dass sie nur vor Tränen der Freude lächeln und weinen. Eine Zeit, die vor Schmerzen weinen lässt.“ Für die ukrainischen Fußballer wäre ein Weiterkommen nicht nur ein sportlicher Triumph gewesen, sondern auch die nächste Botschaft an die eigene Nation, wo die russische Invasion mittlerweile seit mehr als 100 Tagen andauert.

„Wir haben alles getan, was wir konnten“, sagte Trainer Oleksandr Petrakow, „aber ich möchte wirklich, dass sich die Menschen in der Ukraine an unsere Bemühungen erinnern.“ Auch Jarmolenko schrieb trotz seiner tragischen Rolle beim entscheidenden Spiel, dass er stolz darauf sei, ein Vorbild für seine Landsleute zu sein: „Wir geben nicht auf, egal, wie schwierig die Situation ist.“ Eine Botschaft, die weit über den Fußball hinausgeht.

Der unglückliche Eigentorschütze: Andrij Jarmolenko


Der unglückliche Eigentorschütze: Andrij Jarmolenko
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Bild: EPA

Auch Vadim Gutzeit griff die Politisierung des Spiels auf: „Die ganze Welt hat mit uns mitgefiebert“, schrieb der ukrainische Sportminister bei Facebook. „Der Trainerstab und die Jungs haben auf dem Platz alles möglich gemacht und sogar ein bisschen mehr. Im Krieg, ohne die Möglichkeit, die Meisterschaft zu beenden und vollständig zu trainieren, hat die ukrainische Nationalmannschaft eine außergewöhnliche Leistung gezeigt und musste einen Schritt vom Triumph entfernt anhalten. Sie sind echte Helden, wir sind unglaublich stolz auf das ganze Land!“ Man richte nun das Augenmerk auf die Wiederherstellung der ukrainischen Premier League, die Rückkehr des Fußballs in die Stadien. Denn trotz des Krieges soll bald wieder gespielt werden.

Der ukrainische Fußballverband Ukrajinska Assoziazija Futbolu will im August die Meisterschaft austragen. „Ich habe mit Präsident Selenskyj darüber gesprochen, wie wichtig der Fußball ist, um abzulenken“, sagte Verbandspräsident Andrej Pawelko der Nachrichtenagentur AP. Der Fußball habe dabei eine sehr große Kraft, damit die Menschen in der Ukraine wieder an eine Zukunft glauben könnten.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link