Die Zukunft ist ihm nicht wichtig, die Vergangenheit auch nicht. Was für Oliver Glasner zählt, ist das Hier und Jetzt. Carpe diem. Es ist sein Lebensmotto. Immer wieder betont dies der Fußballtrainer. Mit Eintracht Frankfurt hat er das denkbar Beste aus diesem Tag gemacht. Glasner, 47 Jahre alt, gehört jetzt zu den Großen seiner Zunft, denn er hat seinen ersten internationalen Titel gewonnen: Sieger der Europa League mit Eintracht Frankfurt.

Für die Hessen ist es der größte Coup seit dem UEFA-Pokal-Erfolg 1980. Eine halbe Ewigkeit ist das her. Glasner war damals ein kleiner Bub. Längst ist er eine gestandene Persönlichkeit, gereift im Sport, erprobt auch im Leben abseits des Platzes. Drei Kinder hat der Familienvater. Glasner ist Österreicher, geboren in Schärding.

In der Glitzerwelt des Profifußballs gehört er nicht zu den Lautsprechern der Branche. Feinsinnig, freundlich, kompetent: Schon in seiner aktiven Zeit als Profi beim SV Ried war er der strategische Kopf, der Macher, Ideen- und Impulsgeber. Ein Mann mit Bodenhaftung – und einem einschneidenden Erlebnis.

Karriereende nach Hirnblutung

Am 31. Juli 2011 hatte er sich in einem Spiel bei einem Kopfballduell eine Gehirnerschütterung zugezogen. Weitere medizinische Untersuchungen ergaben ein Subduralhämatom, eine Hirnblutung, die tödlich enden kann und sofort operiert werden musste. Der rechtzeitige Eingriff bewahrte Glasner vor Schlimmerem. „Das Schicksal hat es noch einmal gut mit mir gemeint“, sagte er damals. Seitdem habe er gelernt, „sich nicht über jeden Quatsch aufzuregen“. Als die Ärzte ihn für geheilt erklärten, beendete Glasner trotzdem seine Karriere.

Aus dem Spieler, der einst bei seinem Heimatklub seine spätere Frau kennenlernte, die dort als Sekretärin arbeitete, wurde der Trainer. Erst in Ried, dann beim Linzer ASK. Der Sprung über die Landesgrenze führte ihn nach Wolfsburg. Mit dem VfL gelang ihm, was auch jetzt bei der Eintracht glückte: Mit ruhiger Hand und einer klaren Idee von attraktivem Angriffsfußball hat er nun auch die Frankfurter in die Champions League geführt.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link