Zwei Tage vor dem letzten Saisonspiel gab Sebastian Hoeneß zu seinem vierzigsten Geburtstag auf dem Vereinsgelände der TSG 1899 Hoffenheim noch eine Runde Eis aus, verbunden mit einer dringenden Bitte an seine Spieler: „Ich möchte in Mönchengladbach keinen Sommerkick sehen. Wir wollen einen versöhnlichen Abschluss haben und im besten Fall einen Dreier holen.“

Hoeneß‘ Wunsch wurde nicht erhört. Es setzte beim 1:5 die sechste Niederlage aus den letzten neun sieglosen Spielen in der Bundesliga. Drei Tage später wurde der Sohn des früheren Nationalspielers Dieter Hoeneß und Neffe des Bayern-Patrons Uli Hoeneß gefeuert.

Hoeneß‘ Hoffenheimer hatten Schwächen

Er, der noch vor wenigen Wochen von Alexander Rosen, dem Hoffenheimer Direktor Profifußball, hochgelobt wurde („cooler, ehrlicher Typ, kein Schaumschläger, starker Kommunikator, absoluter Fußballfachmann“), muss nach all den Komplimenten trotzdem gehen.

Am Ende zählte allein die normative Kraft des Faktischen bei dem Verein, der am 25. Spieltag als Tabellenvierter noch auf Champions-League-Kurs schien und schließlich als Neunter im grauen Niemandsland der Tabelle landete. Das aber konnte den ambitionierteren Führungskräften im beschaulichen Kraichgau nicht gefallen, wo sich der Druck der Fanbasis besser aushalten lässt als an den Hotspots der Liga. Gleichwohl werfen sie am Schauplatz Hoffenheim nicht nur verhohlene Blicke auf die für die internationale Tauglichkeit reservierten Tabellenplätze.

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Der über Monate verlässlich liefernden Mannschaft fehlte am Ende die Wettkampfhärte und Stabilität, die weniger betuchte Klubs wie Union Berlin oder den SC Freiburg am Ende dieser Saison zu künftigen Europa-League-Startern machten. Hoeneß‘ Hoffenheimer litten dagegen, als es darauf ankam, an sich selbst und ihren eklatanten Abwehrschwächen. Die Mannschaft mit der bei 61 Gegentoren viertschwächsten Defensive konnte trotz der fünftbesten Offensive der Liga (58 Treffer) gar nicht genug Tore schießen, um ihr größtes Defizit auszugleichen. Auch der besonnene Hoeneß fand nicht den Schlüssel, dem fatalen Trend entgegenzuwirken.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link