Nach einem Whiskey aus seiner Sammlung mit inzwischen fast 200 Flaschen stand Steffen Baumgart nicht der Sinn. Dazu sei er „zu platt“, sagte er nach dem 3:1-Sieg des 1. FC Köln beim Erzrivalen aus Mönchengladbach. Dafür hatte der Trainer sich einen noch exklusiveren Genuss gegönnt, als er für einige Momente alleine vor der überschwänglich feiernden Ecke mit den Kölner Fans herumsprang und eine Faust kreisen ließ. „Ich war nicht jedes Mal in der Kurve, aber bei den Derbys war ich da“, sagte er.

Erstmals seit mehr als 30 Jahren hat der FC beide Bundesligaduelle in einer Saison mit Borussia Mönchengladbach gewonnen, schon dafür wird man sich noch lange an den gebürtigen Rostocker erinnern. Aber Baumgart ist zuzutrauen, dass er noch etwas viel Größeres am Dom hinterlässt – Erinnerungen an die zweite Europapokalteilnahme seines Klubs in diesem Jahrtausend zum Beispiel.

Im in Köln traditionell heiklen Umgang mit Überlegungen zu möglichen Spielen in London, Rom oder Amsterdam trifft er jedenfalls schon mal den passenden Ton: „Wir sind eine von den vier, fünf Mannschaften, die um den internationalen Wettbewerb spielen, warum sollen wir das nicht offen kommunizieren?“ Aus seinem Mund klingt das nach Bodenständigkeit und nicht nach der alten Kölner Hybris, Baumgart ist ein Meister im Spiel mit den Emotionen.

Baumgart hat den Anfangsverdacht entkräftet

In seiner ersten Phase in Köln stand er noch unter dem Verdacht, einer dieser Motivatoren zu sein, die Mannschaften für einige Monate mit viel Energie aufladen können, deren Rhetorik aber irgendwann ihre Wirkung verliert. Diese Annahme hat der Kölner Trainer längst entkräftet. Zum einen scheint kein Spieler von den Ansprachen Baumgarts gelangweilt zu sein, die sich durchaus wiederholen, wie der einmal einräumte. Aber er reichert seine Erläuterungen mit fachlichen Details an, mit denen die Spieler gut arbeiten können, und die mitunter recht eigenwillig wirken.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link