Die Blicke eines Rehs waren es ganz sicher nicht, die in die Richtung des Bundestrainers gingen. Es lief die 69. Minute in Amsterdam, und Hansi Flick hatte sich entschieden, auszuwechseln, nicht etwa aus Leistungsgründen oder weil sein Team gerade den Ausgleichstreffer kassiert hatte. Es war sein bester Mann, der vom Feld sollte. Von Belastungssteuerung aber wollte der in diesem Augenblick nichts wissen. „Ich wollte einfach weiterspielen“, sagte Jamal Musiala am Dienstagabend nach dem 1:1 gegen die Niederlande. „Er hat das an meinem Blick gesehen. Aber wenn der Trainer entscheidet, entscheidet er.“

Musiala, seit einem Monat 19 Jahre alt, Rufname „Bambi“, war am Dienstag nicht nur so etwas wie der Juniorchef im deutschen Team, es war eher so, dass das Spiel als solches ihm gehörte, seinen Bewegungen gehorchte. Seine Beteiligung am Führungstreffer durch Thomas Müller kurz vor der Pause war dabei nur ein Detail unter vielen – und keines derjenigen, die an diesem Abend die eigentliche Entdeckung bedeuteten. Es waren auch nicht die vielen Momente, in denen Musiala mit atemraubenden Wendungen die Richtung des Spiels änderte, Möglichkeitsräume eröffnete, wo gerade noch beklemmende Enge war, und dabei mit Kopf und Füßen so geschwind war, dass sich die Niederländer mehr als einmal nur mit dem verzweifelten Griff zu seinem Trikot zu helfen wussten.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link