Ein blau-weiß-schwarz gestrichener Stromkasten in Eidelstedt, eine Lokstedter Parkbank, deren Rückenlehne in den HSV-Farben angemalt ist, Vereinsflaggen in Schnelsener Kleingärten: Wer Hamburg in diesen Tagen abseits der angesagten Szene-Viertel und beliebtesten Familien-Quartiere durchstreift, bemerkt, wie präsent der Verein ist.

Nicht auf der Schanze oder etwas weiter in St. Pauli. Auch nicht in Ottensen. Aber da, wo die Orte weniger hip und dafür struppiger werden, wo die Gentrifizierung noch nicht voll durchgeschlagen hat mit ihrer Gewissheit, dass der FC St. Pauli der sehr viel coolere Klub ist, wenn man sich im Gespräch während einer Poké-Bowl-Pause schon für Fußball interessieren muss, in Eidelstedt, Lokstedt und Schnelsen beispielsweise – das ist nach wie vor HSV-Kernland.

„Der HSV steht wieder für etwas“

Und es täuscht nicht, dass die Farben vom Volkspark gerade wieder häufiger im Stadtbild zu sehen sind. Sogar Menschen in Trikots mit der Raute auf der Brust zeigen sich. Die aktuelle Variante, gerne in der Version „Glatzel“ oder „Jatta“, oder eine alte, mit dem Sponsor „Emirates“ und „Holtby“ auf dem Rücken.

„Der HSV hat eine Identität kreiert, die in den vergangenen Wochen wohlwollend aufgenommen worden ist“, hat Trainer Tim Walter gesagt, „der HSV steht wieder für etwas, das haben die Leute gemerkt, und ihre Unterstützung ist wunderschön.“

Es geht ihm nicht nur um die rein faktische Begleitung, die er sich von den sicher 50.000 HSV-Fans unter den 54.000 Zuschauerinnen und Zuschauern am Montagabend erhofft. Mitgedacht und mitgemeint ist ideeller Beistand. Der kann nämlich auch tragen.

Vor allem dann, wenn sich die ganze Stadt von einem abgewandt hatte, weil vieles am Handeln der vergangenen knapp vier Jahre einfach nur peinlich war. Bei allem Bemühen, es richtig zu machen, hatte sich der HSV seit dem Abstieg 2018 von seiner großen Anhängerschar im Norden entfremdet.

Quelle: FAZ Sport – Webseiten-Link